Mit dem Investment-Modernisierungsgesetz hat die Bundesregierung zum 1. Januar 2004 erstmals Hedge-Fonds in Deutschland zugelassen. Das Inkrafttreten des Gesetzes wurde von großen Erwartungen begleitet. Bislang haben sich diese Erwartungen jedoch kaum erfüllt. Zu diesem Ergebnis kommt das DIW Berlin in seinem aktuellen Wochenbericht 32/2004. Nur wenige Investmentgesellschaften sind im ersten Halbjahr 2004 zugelassen worden. Die allgemeine Zurückhaltung mag zum einen darauf zurückzuführen sein, dass sich in jüngster Zeit die Renditen meist ungünstig entwickelt haben. Sie kann aber auch ein Resultat der vergleichsweise hohen Kosten und der nur schwer einschätzbaren spezifischen Risiken dieser Anlageform sein.
Weltweit ist das in Hedge-Fonds investierte Vermögen in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. Waren es 1990 noch weniger als 50 Mrd. US-Dollar, so wurden für das Jahr 2003 bereits Mittel in Höhe von mehr als 800 Mrd. US-Dollar ausgewiesen. Die Wachstumsraten für das weltweit verwaltete Fondsvermögen haben besonders in der jüngsten Vergangenheit stark zugenommen. 2001 betrug die Wachstumsrate knapp 10 %, 2002 bereits mehr als 16 %, und im Jahre 2003 wuchs das Vermögen um mehr als 31 %. Auch für das Jahr 2004 werden Rekordzahlen erwartet. Doch mit Hedge-Fonds sind nicht nur große Chancen, sondern auch erhebliche Risiken verbunden. Lange Kündigungs- und Mindesthaltefristen bedeuten erhebliche Liquiditätsrisiken für die Klienten und zwingen sie unter Umständen, den Abwärtsbewegungen ihres Fonds tatenlos zusehen zu müssen. Hinzu kommen mangelnde Informationen zu den Bewertungstechniken, die selbst informierten Investoren keine richtige Einschätzung ihrer Anlagen erlauben. Hedge-Fonds bewegen sich in einem annähernd regulierungsfreien Raum und gelten im Vergleich zu anderen Anlageformen als besonders intransparent. Auf den Finanzmärkten arbeiten Hedge-Fonds aktiv an der Beseitigung von Preisanomalien mit und beugen so Vermögensverlusten infolge von falschen Kursen vor. Spektakuläre Einzelfälle haben jedoch bereits gezeigt, dass schlingernde Hedge-Fonds die Funktionsfähigkeit des Finanzsystems bedrohen können. So kann unter bestimmten Umständen die Krise eines einzelnen Fonds ähnliche Turbulenzen im Finanzsystem auslösen wie der Zusammenbruch einer Großbank.