Ölpreise: Höhepunkt dürfte überschritten sein

Pressemitteilung vom 6. August 2003

Bis zum Jahr 2010 dürfte die Produktion in einigen wichtigen OPEC-Ländern aus verschiedenen Gründen geringer steigen als derzeit geplant. Wenn sich das weltwirtschaftliche Wachstum in den kommenden Jahren wieder beschleunigt, dürfte es der OPEC bei einem eher langsamen Wiederaufbau der Ölindustrie im Irak bis zum Jahr 2010 gelingen, die Rohölpreise in ihrem Zielkorridor zu halten, vermutlich eher an seinem oberen Rand. Zu diesem Ergebnis kommt das DIW Berlin in seinem aktuellen Wochenbericht 32/2003.
Wegen der niedrigen Lagerbestände lagen die Rohölpreise Ende Juli am oberen Rand des von der OPEC angestrebten Preiskorridors von 22 bis 28 US-Dollar je Barrel. Sie hat am 31. Juli beschlossen, die Förderquoten (ohne Irak) bis Ende September unverändert zu lassen. Will sie das Risiko eines Preiseinbruchs vermeiden, wird sie allerdings dafür sorgen müssen, dass die gegen Ende des Jahres erwarteten Produktionssteigerungen im Irak durch Produktionskürzungen in anderen Mitgliedsländern ausgeglichen werden.

Die Rohölpreise bewegen sich seit Anfang 2000 meist in dem von der OPEC angestrebten Band zwischen 22 und 28 US-Dollar je Barrel. Mitte Dezember 2002 sind sie aufgrund von streikbedingten Produktionsausfällen in Venezuela über den oberen Rand dieses Korridors geklettert, wegen der Kriegsgefahr im Irak bis Mitte März 2003 sogar auf 34 US-Dollar je Barrel. Zu der vielfach erwarteten noch drastischeren Eskalation der Preise kam es nach Ausbruch des Krieges im Irak (20. März 2003) jedoch nicht. Dazu hat beigetragen, dass der kriegsbedingte Produktionseinbruch im Irak durch Produktionssteigerungen der übrigen OPEC-Länder – vor allem Saudi-Arabiens und Venezuelas – zum größten Teil ausgeglichen wurde. Nach dem Fall von Bagdad Mitte April waren die Rohölpreise sogar auf 23 US-Dollar je Barrel gesunken. Entlastend wirkte auch der saisonal bedingte Rückgang des Ölverbrauchs im zweiten Quartal. Um einen weiteren Preisverfall zu vermeiden, hatte die OPEC am 24. April beschlossen, ihre Ölgewinnung (ohne Irak) ab Juni um 2 Millionen Barrel pro Tag (mbd) auf 25,4 mbd zu senken. Danach stiegen die Ölpreise erneut und lagen Ende Juli am oberen Rand des OPEC-Preiskorridors. Auf ihrer Konferenz am 31. Juli wurden die bestehenden Förderquoten bis Ende September bestätigt. Wenn die OPEC (ohne Irak) die gegen Ende des Jahres erwarteten Produktionssteigerungen im Irak durch Produktionskürzungen in anderen Mitgliedsländern ausgleicht, dürften die Rohölpreise im Preiskorridor der OPEC bleiben. Das könnte ihr bei dem zu erwartenden eher langsamen Wiederaufbau der Ölindustrie im Irak auch bis zum Jahr 2010 gelingen.
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