Mit der Transformation in Russland hat sich die Wohnraumversorgung kaum verbessert. Der Wohnraumbestand stieg in den 90er Jahren zwar um 13,8% auf 2 761 Mill. m2. Doch gleichzeitig wuchs auch die Zahl der Haushalte (heimkehrende Soldaten, steigende Scheidungsraten u.a.). Verlässliche Zahlen von Wohnungssuchenden gibt es nicht mehr, da die Wohnungszuteilung in vielen Regionen praktisch eingestellt wurde. Ein neu entstandener Wohnungsmarkt und äußerst intransparente, zum Teil korrupte Praktiken bestimmen die Wohnungszuteilung. Für den Wohnraummangel sind auch die schlechte Bauqualität und mangelnde Instandhaltung verantwortlich. Obwohl fast 90% aller Wohnhäuser in den vergangenen 40 Jahren entstanden sind, ist ein Großteil bereits verwahrlost.
In den 90er Jahren wurde der staatliche Wohnungsbau in Russland für Bevölkerungsschichten mit niedrigem bis durchschnittlichem Einkommen stark reduziert. Der Staat zog sich weitgehend aus der Finanzierung des Wohnungsbaus zurück. 1990 betrug sein Anteil noch 85%, 1999 waren es nur noch 15%. Zur Unterstützung der Nachfrage nach selbstgenutztem Wohneigentum fehlen günstige langfristige Kreditangebote mit sicheren Konditionen. Ein Markt für private Wohnungsbaufinanzierung konnte sich nicht entwickeln, weil die Risiken privater Investoren nicht ausreichend abgesichert wurden.
Auf dem Mietsektor soll die schrittweise Freigabe von Mieten und Nebenkosten helfen, der Kostendeckung näher zu kommen. Bis 1992 verharrten die Mieten auf dem Niveau von 1928. Im vergangenen Jahr deckten die tatsächlichen Mieten gut 40% der Kosten. Das Kostenbewusstsein ist sowohl bei den Verwaltungen als auch bei den Verbrauchern wenig ausgeprägt, was zur Verschwendung von Ressourcen beiträgt. Die Abschaffung von Mietnachlässen für viele Bevölkerungsgruppen - in Russland werden derzeit selbst privatisierte Wohnungen noch subventioniert - dürfte Spielraum für die Anhebung des Wohngeldes für wirklich Bedürftige bieten. Erst wenn sich der Einstieg in den Mietsektor auch für private Investoren rechnet, ist eine bessere Befriedigung der Nachfrage nach Wohnraum zu erwarten.