Zum Jahresbeginn noch kein Aufschwung

Pressemitteilung vom 14. Mai 2002

Erste Ergebnisse der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung für das erste Quartal 2002 und Prognose für das zweite Quartal.
Das wirtschaftliche Wachstum blieb auch zum Jahresanfang ohne Dynamik. Das reale Bruttoinlandsprodukt stagnierte im Vergleich zum Vorquartal (-0,1 %). Hierfür war besonders die schwache Binnennachfrage von Bedeutung; vor allem die Entwicklung der Ausrüstungsinvestitionen war deutlich nach unten gerichtet. Die höheren Exporte verhinderten bei weiter rückläufigen Importen einen stärkeren Rückgang. Die Verbraucherpreise stiegen im Jahresanfangsquartal gegenüber dem Vorquartal mit einer Rate von 0,7 % leicht beschleunigt. Das lag zum einen an den zu Jahresbeginn wirksam gewordenen Steuererhöhungen, zum anderen an Preisanhebungen in einigen konsumnahen Bereichen (z.B. Gaststätten oder persönliche Dienstleistungen) im Zuge der Euro-Bargeldeinführung. Zu nennen ist außerdem der Preisschub bei Obst und Gemüse im Januar.
(Siehe aktueller Wochenbericht 20/2002)
Für das zweite Quartal ist eine merkliche Beschleunigung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zu erwarten. Auf eine sprunghafte Aufwärtsentwicklung - und damit auf den typischen Beginn eines Aufschwungs - lassen die Indikatoren jedoch noch nicht schließen. Die Entwicklung der Auftragseingänge aus dem Ausland stärkt die Hoffnung, dass der Export in den kommenden Monaten starke Impulse für das gesamtwirtschaftliche Wachstum geben wird. Maßgeblich hierfür ist der von den USA ausgehende weltweite Aufschwung. Die schwache Entwicklung bei den Auftragseingängen aus dem Inland deutet aber darauf hin, dass die außenwirtschaftlichen Impulse noch nicht auf das Inlandsgeschäft durchgeschlagen sind. Von den Arbeitsmarktdaten für April - die Zahl der Arbeitslosen stieg saisonbereinigt leicht (+6 000 Personen) - kommen eher negative Signale. Daher ist bei den Konsumausgaben der privaten Haushalte kaum mit einem deutlichen Zuwachs zu rechnen. Inwieweit aus den laufenden Tarifverhandlungen ein spürbarer Impuls noch für das zweite Quartal resultiert, ist abhängig von der Dauer der Auseinandersetzung. Hier stehen Arbeitsplatzunsicherheiten den steigenden Einkommen aus Tariflöhnen gegenüber.
Expandieren die Ausfuhren so kräftig, wie es die Auftragseingänge signalisieren, könnte das reale Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal um gut ½ % wachsen; dies entspräche einer jährlichen Rate von gut 2 %. Der Vorjahreswert würde damit um knapp 1 % übertroffen. Diese Entwicklung steht mit der zum Jahresbeginn vom DIW Berlin vorgelegten Prognose in Einklang.
keyboard_arrow_up