Die für die Leistungsmessung von Wirtschaftszweigen konzipierten Indikatoren - Produktionsindex und reale Bruttowertschöpfung - genügen nicht, um ein realistisches Bild für einen länderübergreifenden Vergleich der Leistungsentwicklung der Industrie und ihrer Branchen zu gewinnen. In seinem aktuellen Wochenbericht 26/2002 schlägt das DIW Berlin vor, weitere Informationen, wie die Entwicklung von Beschäftigung und Investitionen zur Beurteilung heranzuziehen.
Der Produktionsindex gibt die Möglichkeit, aktuelle Entwicklungen im konjunkturellen Zusammenhang in den betrachteten Ländern zu analysieren, denn eine Information über die reale Wertschöpfung steht für die Industriezweige nicht zeitnah genug zur Verfügung. In den 90er Jahren hat sich die Arbeitsteilung innerhalb der Industrie wie auch zwischen der Industrie und den Dienstleistungen sowohl national als auch im internationalen Kontext verändert. Dabei kam es zu einem Anstieg der nominalen, aber auch der realen Vorleistungsquoten. Das DIW Berlin zeigt, dass zumindest in einigen Branchen die Strukturveränderungen in Deutschland im Zeitraum 1995 bis 1999 von größerer Bedeutung waren als in Frankreich, Großbritannien und Italien. Der Produktionsindex kann angesichts solcher struktureller Veränderungen die Dynamik der Branchen im internationalen Vergleich nicht zutreffend abbilden. Statistisch festgestellte unterschiedliche Entwicklungen der realen Vorleistungsquoten und divergierende reale Wertschöpfungsentwicklungen sind auch Ergebnis der Preisbereinigungsverfahren in den betrachteten Ländern und Branchen. Die reale Wertschöpfung gibt die Leistungsentwicklung der Branchen in den verschiedenen Ländern entsprechend verzerrt wieder. Die Entwicklung des Produktionsindex dürfte die Dynamik der deutschen Industrie im Vergleich zu den anderen betrachteten Ländern in den 90er Jahren überzeichnen, während die Wertschöpfungsentwicklung sie dagegen unterzeichnet.