In den europäischen Dienstleistungsfirmen wird die Kompetenz für die Umsetzung elektronischer Geschäftsmodelle allmählich aufgebaut. Unterschiede im Entwicklungsniveau zwischen den einzelnen Ländern sind allerdings noch groß. Das zeigt der aktuelle Wochenbericht 34/2003 des DIW Berlin. Die Voraussetzungen in Form von Geräteausstattung, Kommunikationsdiensten und Internetnutzung sind bei den Firmen überwiegend vorhanden; demgegenüber sind E-Business-Anwendungen noch eher gering verbreitet. Dabei bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den Branchen. Die Indikatoren für den elektronischen Geschäftsverkehr sind in den wissensintensiven und in den technikintensiven Dienstleistungen höher als in den eher personenbezogenen (Einzelhandel sowie Grundstücks- und Wohnungswesen).
Besonders weite Verbreitung hat der elektronische Geschäftsverkehr in Großbritannien gefunden, aber auch deutsche Dienstleistungsfirmen weisen ein hohes Niveau bei Ausstattung und Nutzung auf. Die Entwicklung von innovativen, auf vernetzten Techniken beruhenden Geschäftsmodellen ist damit im deutschen Dienstleistungssektor im europäischen Vergleich relativ weit fortgeschritten. Auffällig ist die starke Diskrepanz zwischen der Ausstattung mit Informationstechnik und der Nutzung dieser Ausrüstungen für E-Business in Italien sowie das insgesamt niedrige Niveau der Verbreitung von Netzdiensten und E-Business in Frankreich in allen Dienstleistungszweigen.
Die Unterschiede zwischen den betrachteten Ländern bei den gleichen Dienstleistungszweigen können mit der Entwicklungsdynamik des jeweiligen nationalen Dienstleistungsmarktes erklärt werden: Grundsätzlich ist ein positiver Wachstumstrend der Ausbreitung förderlicher als eine stagnierende Marktentwicklung. Auch kulturelle Faktoren – z. B. die Einstellung zu elektronischem Handel, Risikobereitschaft in einem noch weitgehend prekären Geschäftsfeld sowie die generelle Verbreitung von Internetanwendungen – spielen eine Rolle. Dabei sind die Zusammenhänge komplex. Um eine ausreichende Zahl von Kunden anzusprechen reicht es nicht aus, eine gute Ausstattung mit Infrastruktur und Basistechniken zu besitzen. Die Umsetzung in elektronische Geschäftsmodelle verlangt vielmehr umfangreiche Kompetenzen im Bereich Organisation und Marketing sowie Visionen für innovative Anwendungen.