Das Armutsrisiko für Arbeitslose ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Dies zeigt der aktuelle Wochenbericht Nr. 10/2005 des DIW Berlin auf der Grundlage einer Erhebung des Sozio-oekonomischen Panels. Lag 1993 die Wahrscheinlichkeit, im Falle von Arbeitslosigkeit zur Gruppe der einkommensarmen Personen zu zählen, bei 29%, war dieses Risiko zehn Jahre später bereits auf 39% angestiegen. Lebt ein Arbeitsloser allein im Haushalt oder übt dessen Partner keine Erwerbstätigkeit aus, so beträgt das Armutsrisiko sogar 53%.
Bei mehr als der Hälfte der Niedriglohnbezieher ist das Armutsrisiko allerdings unterdurchschnittlich: Diese Erwerbstätigen erwirtschaften ein Zweiteinkommen im Haushalt. Eine generelle Bezeichnung niedriger Einkommen als „Armutslöhne“ ist deshalb nicht gerechtfertigt. Für jene anderen 47% der Niedriglohnbezieher, die die einzige Erwerbsquelle im Haushalt darstellen, ist das Risiko hingegen, wie bei den Arbeitslosen, in den letzten zehn Jahren gestiegen. Die Teilhabe am Erwerbssystem in Form einer Niedriglohntätigkeit senkt dennoch im Vergleich zur Arbeitslosigkeit deutlich das Risiko, in Armut leben zu müssen.