WZB-Studie: Bildungschancen

Bericht vom 26. August 2009

Trotz guter Noten landen viele Schüler nicht auf dem Gymnasium– und bleiben damit unter ihren Fähigkeiten. Dieses Risiko ist bei Kindern aus einem nichtakademischen Haushalt zweieinhalbmal so hoch wie für Kinder aus Akademikerfamilien. Das haben die Bildungsforscher Heike Solga und Johannes Uhlig vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) gemeinsam mit Jürgen Schupp vom DIW Berlin herausgefunden.

Die Wissenschaftler belegen: Viele Schüler, die gute Noten haben, verzichten auf den Wechsel zur Realschule oder auf das Gymnasium - wenn sie aus Familien ohne akademischen Bildungshintergrund kommen. Insgesamt besuchen 17 Prozent der rund 900 repräsentativ ausgewählten Schüler einen Schultyp unterhalb ihres Leistungsniveaus. Für manche Hauptschüler wäre sogar der Besuch eines Gymnasiums möglich gewesen.

„Es ist ernüchternd wie stark der Zusammenhang zwischen Bildungschancen und sozialer Herkunft in Deutschland ist,“ kommentiert DIW-Forscher Jürgen Schupp das Ergebnis. „Von Chancengleichheit für alle Kinder sind wir weit entfernt.“

In der Studie geht es um den Zusammenhang von sozialer Herkunft und dem Phänomen des „Underachievement“. Der Begriff bedeutet, dass Schülerinnen und Schüler einen Schultyp besuchen, der unterhalb ihres individuellen kognitiven Lernpotenzials liegt. Nicht Leistungsunterschiede, sondern Unterschiede bei Bildungsentscheidungen bewirken, dass Kinder aus nichtakademischen Familien eher die Haupt- oder Realschule besuchen statt des Gymnasiums. Die Folgen sind fatal: Diese Schüler können ihr Lernpotenzial nicht in Bildungserfolge umsetzen. Ihre Motivation wird nur unzureichend gefördert, eine Bildungskarriere im Keim erstickt. Chancen für eine spätere qualifizierte Ausbildung oder ein Studium werden auf diese Weise früh verbaut.

Für die Studie wurden Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) ausgewertet. Sie ist als "WZB Discussion Paper" (S. 33) abrufbar unter http://bibliothek.wzb.eu/pdf/2009/i09-503.pdf und erscheint im Oktober als Aufsatz in der "Zeitschrift für Soziologie".
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