Wasser: Vielfältige Forschung für eine vielfältige Ressource

Pressemitteilung vom 26. Februar 2010

DIW Berlin veröffentlicht Sonderpublikation zum Thema Wasser

Wasser ist Nahrungsmittel, wichtiger ökologischer Faktor und Schlüsselressource für die Industrie zugleich. „Wer Wasser wirklich erforschen will, der braucht einen ganzheitlichen, multidisziplinären Ansatz“, sagen Georg Meran und Christian von Hirschhausen, Forschungsdirektoren am DIW Berlin. Gemeinsam mit den Technischen Universitäten in Dresden und Berlin haben sie ein Forschungsprogramm zu Wasserökonomie und -management ins Leben gerufen. Die ersten Ergebnisse werden jetzt in dem Sammelband „H₂O – Ökonomie einer Schlüsselressource“ veröffentlicht.

Die Themen in dem Sammelband beschäftigen sich mit nationalen wie internationalen Aspekten des Wassersektors – zu den internationalen Themen gehört etwa die Frage „Ist das Millenniumsziel noch zu schaffen?“. Bis 2015 soll nach Beschluss der Vereinten Nationen die Zahl der Menschen, die keinen Zugang zu sauberen Sanitäreinrichtungen haben, halbiert werden – das wären 1,6 Milliarden Menschen, die in den nächsten fünf Jahren mit Sanitäreinrichtungen versorgt werden müssen. DIW-Forscher Georg Meran und Martin Jekel und Christian Remy von der TU Berlin befürchten, dass dieses ambitionierte Ziel nicht mehr zu schaffen ist: „Ordnungspolitische Debatten bringen uns nicht weiter. Wir brauchen einen pragmatischen Politik-Ansatz“, so ihr Fazit.

Einen weniger globalen Ansatz wählen dagegen Alexander Fels und Markus Siehlow von der TU Dresden für ihre Prognosen der Wassernachfrage. Am Beispiel von Ostthüringen zeigen sie mögliche Szenarien für die Entwicklung der Wassernachfrage bis 2050. „Ein deutlicher Rückgang der Nachfrage erscheint uns heute am wahrscheinlichsten“, bilanzieren sie. Unter Umständen wäre bei starkem Bevölkerungsrückgang und gleichzeitigem technischem Fortschritt etwa im Bereich der Wasseraufbereitung ein Rückgang um 93 Prozent denkbar.

Gerade die kleinen Wasserversorger arbeiten ineffizient – das ist das Ergebnis einer Effizienzanalyse deutscher Wasserversorger, ebenfalls im Sammelband „H₂O“ enthalten. Die Autoren sind Christian von Hirschhausen, Michael Zschille (DIW Berlin) und Matthias Walter (TU Dresden). Ihre Analyse zeigt deutliche regionale Unterschiede in Deutschland, die oft von natürlichen Faktoren wie Grundwasser- und Bodenbeschaffenheit abhängen. Generell schneiden die Wasserversorger in den neuen Bundesländern bei der Analyse etwas besser ab, generell gibt es aber bei allen Wasserversorgern viel „Luft nach oben“ bei der Verbesserung der Versorgungseffizienz.
 
Der Sammelband erscheint zum WATERDAY, einem Forschungsworkshop am DIW Berlin, der dieses Jahr zum ersten Mal stattfindet. „Unser Ziel ist es, Wissenschaft und Praxis zusammenzubringen“, sagt Christian von Hirschhausen. „Und Wissenschaft meint nicht nur Ökonomen, sondern auch Ingenieur-, Natur- und Sozialwissenschaftler. Der Waterday ist ein erster Schritt dahin.“

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