Pressemitteilung vom 8. Juli 2010
DIW Berlin: „Kurzfristig nicht zu viel von der Elektromobilität erwarten“
Deutschland will die Elektromobilität deutlich vorantreiben. Mit gutem Grund: Geringere lokale Emissionen, eine höhere Energieeffizienz und eine geringere Abhängigkeit vom Öl sprechen eindeutig für das Elektroauto. Das DIW Berlin zeigt in einer neuen Studie, dass die Verbreitung der Elektromobilität derzeit zwar noch auf erhebliche Hürden stößt, langfristig aber große Potentiale bietet. Auch wenn die Elektromobilität nicht alle bestehenden verkehrspolitischen Probleme lösen wird, kann sie einen wichtigen Teil eines nachhaltigen Verkehrskonzepts darstellen.
Das DIW Berlin hat in einer neuen Studie die technologischen und verkehrspolitischen Rahmenbedingungen für einen großflächigen Einstieg in die Elektromobilität untersucht. Für Wolf-Peter Schill, Autor der Studie, ist das Ergebnis eindeutig: „Wir sollten kurzfristig nicht zuviel von der Elektromobilität erwarten, besonders nicht im Hinblick auf eine Reduzierung der CO2-Emissionen. Die Entwicklung neuer Industrien braucht immer Zeit. Aber langfristig bietet die Elektromobilität erhebliche Chancen.“
Die Vorteile der Elektromobilität liegen auf der Hand: Lokale Emissionsfreiheit, eine höhere Energieeffizienz und ein großer Schritt hin zur Unabhängigkeit vom Öl. Aber auch die Hindernisse sind zurzeit noch offensichtlich – neben der mangelnden Infrastruktur sind das vor allem die Anschaffungskosten und die Batterietechnik. Trotzdem hält Wolf-Peter Schill es für möglich, dass 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen unterwegs sind: „Aber selbst das wären nur etwa zwei Prozent der deutschen PKW-Flotte.“ Auch deshalb warnt er vor kurzfristigem Aktionismus.
Technologieoffene Förderung entscheidend
Um die Potenziale der Elektromobilität zu erschließen, ist langfristiges politisches Handeln wichtig. Dazu gehört eine stärkere Förderung von Forschung und Entwicklung. Wichtig ist dabei vor allem, technologieoffen zu fördern, da noch nicht absehbar ist, welche Antriebskonzepte sich am Ende durchsetzen werden. Es sollten nicht zu früh alle Hoffnungen auf eine bestimmte Technologie gesetzt werden, wie dies beispielsweise bei der Wasserstoff-Brennstoffzelle der Fall war.
Eine Million zusätzliche Elektroautos würden natürlich den Stromverbrauch erhöhen. DIW-Berechnungen zeigen aber, dass bei einer vernünftig gesteuerten Aufladung mit den heute in Deutschland verfügbaren Kraftwerken deutlich mehr als eine Million Elektroautos aufgeladen werden könnten, ohne dass es zu nennenswerten Preis- oder Mengeneffekten am Strommarkt kommt. Trotzdem müsse langfristig klar sein, woher der Strom komme: „Bei einem Ausbau der Elektromobilität brauchen wir auch einen zusätzlichen Ausbau erneuerbarer Energien.“
Schiene schon heute elektromobil
Auch bei einem Ausbau der Elektromobilität bleiben eine verkehrsvermeidende Stadtplanung und eine Verkehrsverlagerung hin zu umwelt- und ressourcenschonenderen Verkehrsträgern unverzichtbar. Und: Schon heute fahren Nah- und Fernverkehrszüge, U-Bahnen und Straßenbahnen mit Strom – mit einem gezielten Ausbau der Schiene ließe sich der Anteil der Elektromobilität auch abseits der Straße erheblich steigern. Hinzu kommt, dass mehr Elektroautos wenig an verkehrspolitischen Problemen wie Verkehrsunfällen oder dem steigenden Flächenverbrauch ändern.
Interview(PDF, 261.23 KB) mit Wolf-Peter Schill