Frauen in Führungspositionen holen allmählich auf

Pressemitteilung vom 10. November 2010

Frauen sitzen immer noch deutlich seltener auf Chefsesseln als Männer. In Leitungsfunktionen besetzen sie kaum mehr als jeden vierten Posten. Doch ein Aufholprozess ist in Gang gekommen, wie eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) jetzt zeigt. „Auch wenn die Entwicklung langsam voranschreitet, zeigt sich deutlich, dass die Zahl von Frauen in Führungspositionen stärker steigt als die von Männern“, so Karl Brenke.

Der Anteil der Frauen an den angestellten Führungskräften außerhalb des öffentlichen Dienstes nahm von 1996 bis 2007 um zwei Prozentpunkte auf 20,3 Prozent zu. Die aktuelle Entwicklung kann auf Basis einer etwas weiteren Abgrenzung von Führungskräften und unter Einbeziehung der Beamten nachvollzogen werden: Hier lag der Frauenanteil bei 27,5 Prozent im Jahr 2007 und bei 28,4 Prozent im 2. Quartal 2010. Der DIW-Arbeitsmarktexperte geht davon aus, dass dieser Trend anhalten wird. „Gerade jüngere Frauen rücken auf Führungspositionen nach. Das ist ein starkes Indiz dafür, dass der Anteil von Frauen in Führungspositionen weiter wachsen wird.“

Je höher die Position in der betrieblichen Hierarchie ist, desto geringer fällt der Frauenanteil aus. In Leitungsfunktionen sind Frauen daher besonders selten zu finden – das gilt für nahezu alle Branchen und Berufe. „Selbst in Bereichen, in denen Frauen den überwiegenden Teil der Beschäftigten stellen, wie in Kindergärten und im Gesundheitswesen, haben sie seltener Leitungsfunktionen inne“, so Brenke.

Auch unter den Selbständigen sind wenige Frauen

Üben Frauen Leitungsfunktionen aus, sind sie häufig in kleinen Betrieben tätig: So sind in Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten mehr als ein Viertel der angestellten Führungskräfte weiblich. Bei Betrieben mit mehr als 50 Beschäftigten ist dies lediglich ein Siebtel. Kaum anders als bei den Angestellten sieht das Bild bei den Selbständigen aus: Nur knapp ein Drittel von ihnen ist weiblich, bei Betrieben mit fünf und mehr Beschäftigten nur ein Fünftel.

Frauen in Führungspositionen sind jünger

Deutliche Unterschiede sind auch beim Alter auszumachen. „Frauen in leitenden Positionen sind im Schnitt deutlich jünger“, sagt Brenke. „Offenbar wachsen viele gut qualifizierte Frauen nach, von denen immer mehr eine Karriere anstreben.“ Ob diese Frauen später, etwa auch nach der Familiengründung, noch eine Führungsposition innehaben, müsse die Zukunft erst zeigen. Momentan liege der Anteil von weiblichen Führungskräften zwischen 35 und 44 Jahren noch erheblich unter dem der jüngeren Frauen.

Der Anteil der Frauen in Führungspositionen nimmt zu

Bei allen Ausnahmen zeigt sich nach der DIW-Studie aber ein eindeutiger Trend: Seit Mitte der 90er Jahre ist der Anteil der Frauen an den Führungskräften gewachsen. „Frauen haben in den letzten zehn Jahren auch auf der Leitungsebene ihren Rückstand verringert“, so Brenke. „Insbesondere dort, wo sie besonders schwach vertreten sind: bei den Selbständigen mit größeren Betrieben und in den Unternehmensleitungen.“ Dieser Aufholprozess habe sich in den letzten Jahren beschleunigt. So ergibt sich nach der DIW-Studie zwischen 2004 und 2009 ein jährlicher Anstieg um 1,8 Prozent bei den Frauen – gegenüber 0,3 Prozent bei den Männern. „Dies geht nicht nur auf das Erstarken des Dienstleistungssektors zurück, wo Frauen generell häufig beschäftigt sind“, so Brenke. „Auch im männerdominierten Produzierenden Gewerbe hat der Frauenanteil kontinuierlich zugenommen.“ Als Ursache für diesen positiven Trend sieht Brenke unter anderem die stärkere Präsenz von Frauen auf dem Arbeitsmarkt.

DIW Berlin: Hemmnisse für die Beschäftigung von Frauen sind überholt

Angesichts des allmählichen Rückgangs des deutschen Arbeitskräftepotentials seien Hemmnisse für die Beschäftigung von Frauen überholt. „Unternehmen, die an überkommenen Vorstellungen festhalten, bestraft der Markt.“ Eine Frauenquote hält der Experte dennoch ökonomisch nicht für sinnvoll. „Der deutsche Arbeitsmarkt ist gewiss nicht unterreguliert“, so Karl Brenke. „Eine Einführung und rasche Umsetzung einer Frauenquote von 40 Prozent, wie es die EU fordert, funktioniert nur, wenn man einen Teil der männlichen Führungskräfte austauscht und durch Frauen ersetzt oder wenn man die Führungsapparate aufbläht.“

Nach Meinung des DIW-Experten sollte die Politik die Rahmenbedingungen verstärkt dahingehend verbessern, dass Beruf und Kindererziehung von beiden Elternteilen besser in Einklang gebracht werden können. „Dies ist natürlich auch Aufgabe der Unternehmen selbst“, sagt Brenke. „Der hohe Anteil an weiblichen Teilzeitbeschäftigten auch unter den gut Qualifizierten verweist hier auf erheblichen Handlungsbedarf.“

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