Migranten in Deutschland: Soziale Unterschiede hemmen Integration

Pressemitteilung vom 9. Dezember 2010

Migranten in Deutschland leben aus wirtschaftlichen und sozialen Gründen häufig räumlich isoliert. Diese räumliche Trennung steht einer erfolgreichen Integration im Wege. Besonders ausgeprägt ist die Isolation bei Zuwanderern aus nichtwestlichen Ländern wie der Türkei und Osteuropa. Dies sind die zentralen Ergebnisse einer aktuellen Studie des DIW Berlin auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP). „Der Schlüssel zur Integration liegt im Abbau der Ungleichheit in Bezug auf Bildung und Einkommen“, sagte DIW-Experte Lutz Sager.

Stichwort SOEP:

Die DIW-Forscher verwendeten für ihre Untersuchung die Haushaltsdaten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP). Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist eine seit 1984 laufende Langzeitbefragung von 11.000 privaten Haushalten in Deutschland. Das am DIW Berlin angesiedelte SOEP gibt Auskunft über Faktoren wie Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung oder Gesundheit. Im Auftrag des DIW Berlin werden jedes Jahr in Deutschland über 20.000 Personen in rund 11.000 Haushalten von TNS Infratest Sozialforschung befragt. Weil jedes Jahr dieselben Personen befragt werden, können langfristige soziale und gesellschaftliche Trends besonders gut verfolgt werden.

Der Begriff räumliche Segregation beschreibt das Phänomen, dass einzelne Bevölkerungsgruppen sich in bestimmten Stadtteilen konzentrieren. Die Anteile der Personen, die in räumlicher Segregation leben, sind bei den einzelnen Migrantengruppen sehr verschieden. So lebt jeder vierte türkische Migrant in einer Nachbarschaft mit stark überdurchschnittlichem Anteil an türkischen Migranten, und jeder fünfte Migrant aus Osteuropa ist ebenfalls von überdurchschnittlich vielen Personen aus osteuropäischen Ländern umgeben. Hingegen trifft dies nur auf jeden vierzehnten Migranten aus Westeuropa – mit Ausnahme von Italien – zu.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese unterschiedliche räumliche Segregation auf die starken Unterschiede in der sozialen Stellung der Migrantengruppen zurückzuführen ist“, so Lutz Sager. „Migranten aus nichtwestlichen Ländern können es sich schlicht nicht leisten, in bestimmten „besseren“ Wohngegenden zu leben.“ Denn sie schneiden in fast allen Bereichen tendenziell schlechter ab als solche aus westlichen Ländern: Sie verfügen über ein deutlich niedrigeres Einkommen, sind häufiger arbeitslos, seltener privat versichert und haben einen niedrigeren Bildungsabschluss. Und ein entscheidender Punkt ist schließlich der Gebrauch der deutschen Sprache: Nur knapp jeder dritte türkische Migrant spricht zu Hause ausschließlich oder überwiegend deutsch.

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