Pressemitteilung vom 22. März 2011
Zudem erhielten in Führungspositionen Frauen im Vergleich zu Männern auch weniger Sondervergütungen, wie etwa Prämien und Gewinnbeteiligungen, zuletzt waren es mit knapp 7200 Euro jährlich im Durchschnitt rund ein Fünftel weniger. Das Urlaubsgeld lag bei den Frauen mit 1065 Euro rund 40 Prozent unter dem der Männer, die etwa 1800 Euro erhielten. Ein Grund für die Unterschiede liegt darin, dass das Urlaubsgeld meist in Abhängigkeit des Verdienstes gezahlt wird. Zudem arbeiten weibliche Führungskräfte häufiger in kleineren Betrieben, die im Schnitt geringere Sondervergütungen leisten können als Großkonzerne.
Die Verdienstlücke – der so genannte „Gender Pay Gap“ – lässt sich nur zu einem geringen Teil mit der formalen Qualifikation erklären. Darin stehen weibliche Führungskräfte den männlichen nicht nach. Unterschiede in der Berufserfahrung bestehen zwar, sind jedoch meist altersbedingt. Jüngere Frauen sind am häufigsten in Führungspositionen, ältere Frauen eher selten. Die sehr hohen Führungspositionen sind fast ausschließlich mit Männern besetzt. Mehr Frauen in den gut bezahlten Jobs können zur Reduktion des Gender Pay Gap beitragen.
Von Bedeutung ist zudem die Berufswahl. In Berufen mit einem Frauenanteil von mindestens 70 Prozent, sogenannten „Frauenberufen“, werden Führungskräfte geringer entlohnt als in typischen „Männerberufen“. Weibliche Führungskräfte in Frauenberufen erzielten 2009 im Schnitt monatlich knapp 2800 Euro, ihre Kolleginnen in „Männerberufen“ hingegen etwa 4300 Euro. Männliche Führungskräfte in Frauenberufen verdienten rund 1500 Euro mehr als ihre Kolleginnen in Frauenberufen und immerhin fast neun Zehntel dessen, was die männlichen Kollegen in Männerberufen bekamen. Während Männer also ähnlich hohe Einkommen in Männer- und Frauenberufen erzielen, werden Frauen in Frauenberufen deutlich geringer bezahlt. Frauen müssen also erhebliche Verdienstabschläge hinnehmen, wenn sie traditionellen Berufswegen folgen. Wählen sie hingegen Männerberufe, so erhöhen sich die Verdienstaussichten. Den Anschluss an die Männer schaffen sie aber nicht.
„Vielfach ist die Verdienstlücke auf Geschlechter-Stereotype, gesellschaftliche und kulturelle Rahmenbedingungen zurückzuführen. Sie sind aber nur schwer messbar. Mehr Frauen in Führungspositionen und zugleich eine stärkere Durchmischung der Berufe im Sinne von mehr Frauen in Männerberufen und mehr Männer in Frauenberufen stellen einen Schritt dar, um die Stereotype zu überwinden und mehr Chancengleichheit auch beim Verdienst zu erreichen“, sagt DIW-Gender-Ökonomin Elke Holst.
Frauenberufe - Männerberufe(PDF, 12.63 KB)
Sondervergütungen(PDF, 35.11 KB)