Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel: Hersteller sitzen am kürzeren Hebel

Pressemitteilung vom 30. März 2011

Vier Handelskonzerne dominieren den Beschaffungsmarkt

Die wachsende Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel hat die Verhandlungsposition des Einzelhandels gegenüber den Markenartikelherstellern gestärkt, berichtet das DIW Berlin in einer aktuellen Studie. „Die Beziehungen zwischen Händler und Herstellern sind von einem deutlichen Ungleichgewicht zu Lasten der Hersteller geprägt“, sagt DIW-Expertin Vanessa von Schlippenbach. „Dabei fällt es schwer, zwischen handelsüblichen Drohungen und dem Missbrauch einer bestehenden Nachfragemacht zu unterscheiden“, ergänzt Ferdinand Pavel von der DIW econ GmbH. Denn die Ökonomen können nicht immer eindeutig sagen, dass Markt- oder Nachfragemacht für Konsumenten und für die Gesamtwirtschaft negativ ist.

Deutliche Anzeichen für Missbrauch der Marktmacht

Der deutsche Lebensmittelhandel unterliegt einem fortschreitenden Konzentrationsprozess. Mittlerweile erzielen die vier größten Lebensmitteleinzelhändler in Deutschland – Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe (Lidl und Kaufland) sowie die Metro Gruppe –  einen gemeinsamen Marktanteil von rund 85 Prozent. Die Belieferung dieser Handelsketten ist für die Hersteller daher zunehmend unverzichtbar. Hinzu kommt, dass die Hersteller kaum über alternative Absatzmöglichkeiten verfügen. Vor diesem Hintergrund rückt das Thema Nachfragemacht mehr und mehr in den Fokus wettbewerbspolitischer Diskussionen. Erste Erkenntnisse zu Ausprägung und Folgen von Nachfragemacht liefert eine von der DIW econ GmbH und dem DIW Berlin gemeinsam durchgeführte Befragung von deutschen Markenartikelherstellern. 90 Prozent der befragten Unternehmen – darunter auch Hersteller renommierter Markenprodukte –  gaben an, dass sie die niedrigste Gewinnmarge für ihre umsatzstärkste Produktgruppe mit einem ihrer drei größten Abnehmer erzielen. Demgegenüber erzielen lediglich 41 Prozent der befragten Markenartikelhersteller die höchste Marge für die umsatzstärkste Produktgruppe nicht mit ihren drei größten Abnehmern. Demnach scheint der Handel selbst gegenüber den hier befragten Herstellern von Markenprodukten über eine relativ stärkere Verhandlungsposition zu verfügen.

„Der Ton hat sich verschärft“

Im Hinblick auf die Geschäftsbeziehungen zum Einzelhandel gibt ein Großteil der Hersteller (72 Prozent) an, dass sich in den letzten fünf Jahren der Ton verschärft habe und dass Sanktionen beziehungsweise Drohungen zugenommen hätten. Dies trifft umso häufiger zu, je höher der Umsatzanteil mit einem Abnehmer ist. Fast allen befragten Herstellern (87 Prozent) wurde von ihren größten Abnehmern bereits die teilweise oder vollständige Auslistung ihrer Produkte angedroht. Der gleiche Zusammenhang zeigt sich auch bei Geschäftspraktiken wie Auslistung, Zahlungsverzug oder Forderung von Rabatten für zurückliegende Zeiträume („Hochzeitsrabatte“ nach Fusionen). Es ist allerdings schwer, dabei zwischen handelsüblichen Drohungen und dem Missbrauch von Nachfragemacht zu unterscheiden.

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