Wachwechsel in der EZB - Trichets Erbe. Kommentar von Ansgar Belke

Kommentar vom 26. Oktober 2011

Mehr als je zuvor braucht Europa dieser Tage eine starke EZB. Und die EZB einen starken Chef. Ob Mario Draghi diese Rolle füllen kann, erscheint nur auf den ersten Blick wegen des „falschen Passes“ fraglich. Seiner Ernennung sind zwar politische Querelen um den erzwungenen Rücktritt Lorenzo Bini-Smaghis aus dem EZB-Rat vorausgegangen. Aber warum sollte Draghi dies nicht genauso schnell überwinden können, wie es damals Trichet als Nachfolger Wim Duisenbergs gelang. Letzterer wurde auch trotz formeller Unabhängigkeit von den Franzosen zum „freiwilligen“ Rücktrittvor Ende der Amtszeit gezwungen.
Zwar hinterlässt Trichet ein schweres Erbe. Projekte, die gerade in diesen Krisenzeiten entscheidend gewesen wären, die wieder stärkere Orientierung der geldpolitischen Strategie an Geldmengen- und Kreditwachstum, die Entkoppelung der europäischen Bankenschicksale vom Rating „ihrer“ Volkswirtschaften sowie die Wiederherstellung einer marktorientierten Verzinsung von Staatsanleihen in der Eurozone, sind liegen geblieben. Die Geldschöpfung in der Amtszeit Trichets hat zu überschüssiger Liquidität, exzessivem Kreditwachstum und einer permanent steigenden Hebelung der Bilanzen aller volkswirtschaftlichen Akteure in der Eurozone geführt.


Der vollständige Kommentar im Wochenbericht 43/2011 (PDF, 107.74 KB) (PDF, 109.53 KB)

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