Die europäische Staatsschuldenkrise hat sich mittlerweile zur größten Bewährungsprobe der Europäischen Währungsunion entwickelt. Die europäischen Regierungschefs eilen von einem Gipfeltreffen zum nächsten und spannen immer größere Rettungsschirme, ohne bis jetzt eine endgültige Lösung des Problems gefunden zu haben. Eine klare Linie zwischen Spar- und Konsolidierungsmaßnahmen sowie Ausgabenprogrammen für Wachstum und Beschäftigung lässt sich dabei nicht erkennen. Stattdessen sorgen die Beschlüsse immer nur für kurzzeitige Beruhigung an den Finanzmärkten. Enorme Zinsunterschiede bei Staatsanleihen lassen die Staatsschulden in einigen Ländern als immer weniger nachhaltig erscheinen und für manche kann nur die Europäische Zentralbank durch ein massives Aufkaufen von Staatspapieren diesen Teufelskreis zeitweise durchbrechen. Zudem erscheinen aktuell institutionelle Entwicklungen, die vor einigen Monaten noch undenkbar schienen, in Richtung einer Vergemeinschaftung der Schulden und gleichzeitig zentraler Durchgriffsrechte in nationale Haushalte in Gestalt einer politischen Union in Europa nicht mehr unwahrscheinlich.
Im Mittelpunkt dieses Vierteljahrshefts zur Wirtschaftsforschung stehen Untersuchungen zur Dynamik und Stabilisierung der europäischen Staatsschulden. Die Arbeiten können sowohl eine nationale als auch europäische Perspektive einnehmen. Willkommen sind sowohl theoretische als auch empirische Ansätze. Insbesondere, aber nicht darauf beschränkt, sind Autoren aufgefordert Beiträge zu folgenden Fragestellungen einzureichen:
- Gibt es einen Zusammenhang zwischen Zahlungsbilanz-, Banken- und Schuldenkrise?
- Auslandsverschuldung, öffentliche Schulden, Privatschulden: greift der „Sixpack“ zu kurz?
- Wie lassen sich die ausufernden Staatsschulden in Europa konsolidieren?
- Konsolidierungs- oder Ausgabenprogramme: Wirken Kürzungen der Staatsausgaben wegen zukünftig niedriger Steuer- und Zinsbelastungen expansiv oder führt Austeritätspolitik wegen negativer Multiplikatorwirkungen in eine Wachstumsfalle?
- Welche Rolle kommt der Europäischen Zentralbank bei der Bewältigung der Krise zu?
- Welche institutionellen Neuregelungen sind erforderlich, um zukünftig solche Krisen zu vermeiden?
- Euro-Anleihen oder Schuldentilgungsfonds als Ausweg?
- Wie kann der Teufelskreis zwischen Bankenkrise und Staatsschuldenkrise durchbrochen werden?
- Welchen Beitrag können eine Bankenunion oder der Fiskalföderalismus hierzu leisten?
- Sind die durch Garantien für die überschuldeten Länder eingegangenen Risiken vertretbar?
- Wird die Eurozone in ihrer gegenwärtigen Zusammensetzung weiter bestehen können?
Interessenten wenden sich bitte mit einer kurzen Erläuterung des Themas und der geplanten Vorgehensweise möglichst bis zum 01. November 2012 an den Heftherausgeber
Ansgar Belke abelke@diw.de oder an die Chefredaktion der VJH
dschaefer@diw.de. Es erfolgt eine zeitnahe Rückmeldung, inwiefern der Beitrag in das Gesamtkonzept dieses Vierteljahrsheftes passt. Die fertigen Manuskripte sollten bis zum 01. Dezember 2012 vorliegen. Es sind ausschließlich deutschsprachige Beiträge erbeten, deren Umfang 15 Manuskriptseiten nicht überschreiten sollte.
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