Pressemitteilung vom 3. Januar 2013
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) gratuliert Gert G. Wagner zum 60. Geburtstag
DIW-Vorstandsvorsitzender Gert G. Wagner feiert am 5. Januar 2013 seinen 60. Geburtstag. Gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen Cornelius Richter und Georg Weizsäcker gelang es ihm im Jahr 2011, das DIW Berlin und sein Forschungsprofil nach stürmischen Zeiten erfolgreich neu aufzustellen und im Frühjahr 2012 durch die Evaluierung zu führen. Die Evaluatoren heben ausdrücklich hervor, dass der Vorstand einen „überzeugenden Prozess der Neustrukturierung und Fokussierung der am DIW bearbeiteten Aufgabenfelder“ durchgeführt hat. Dem DIW-Forschungscluster „Nachhaltigkeit“ bescheinigten die Evaluatoren die Note „sehr gut“ und dem Cluster „Öffentliche Finanzen und Lebenslagen“ die Note „sehr gut bis exzellent“.
Von 2002 bis 2008 war Wagner Mitglied im „Wissenschaftsrat“ und wirkte dort maßgeblich daran mit, die Relevanz von Forschungsinfrastrukturen, etwa Forschungsmuseen, Forschungsschiffe oder große Datenerhebungen, sowie deren Profil für das gesamte Wissenschaftssystem zu stärken. Seit 2008 ist Wagner auch Max Planck Research Fellow am MPI für Bildungsforschung (Berlin). Wagner steht seit langem für eine evidenzbasierte wirtschaftspolitische Beratung, die klare Trennung von Analyse und Politikempfehlung und eine sozial- und verhaltenswissenschaftliche Öffnung der Volkswirtschaftslehre.
Wagner war der erste Mitarbeiter des DIW Berlin, der mit einer S-Professur auch eng mit einer Universität verbunden war; seit 2002 ist er gemeinsam mit dem DIW Berlin berufener Lehrstuhlinhaber für Empirische Wirtschaftsforschung und Wirtschaftspolitik an der TU Berlin. Zuvor war er ordentlicher Professor an der Ruhr-Universität Bochum und nach Ablehnung eines Rufes an die Universität Göttingen von 1998 bis 2002 Professor an der Europa-Universität Viadriana Frankfurt (Oder). In den USA war er Gastprofessor an der American University und der Cornell University.
Nach dem Rücktritt von Klaus F. Zimmermann im Februar 2011 übernahm Wagner die Leitung des DIW Berlin als Vorsitzender des Vorstands. Gert G. Wagner kam 1989 ins DIW, wo er die Leitung der jungen Längsschnittstudie „Sozio-oekonomisches Panel (SOEP)“ übernahm. Die sechs Jahre zuvor vom ehemaligen Präsidenten des DIW Berlin, Prof. Dr. Hans-Jürgen Krupp, begonnene Längsschnittsstudie baute Wagner innerhalb des DIW Berlin beharrlich aus und sorgte für deren schnelle Anpassung an gesellschaftliche Veränderungen sowie für eine hervorragende nationale und internationale Vernetzung. Heute zählt das SOEP zu den wichtigsten sozialwissenschaftlichen Infrastruktureinrichtungen weltweit. Die SOEP-Daten werden von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus aller Welt genutzt. Die Erhebung lieferte die Grundlage für bislang mehr als 7.500 Studien, Gutachten und wissenschaftliche Aufsätze.
Unter Wagners Leitung wurden unmittelbar nach dem Fall der Mauer auch Menschen aus Ostdeutschland und Mitte der 90er Jahre Aus- und Übersiedler in die Studie einbezogen. Die Folge: Im Jahr 2000 hatte sich die Zahl der SOEP-Befragten von ursprünglich 6.000 Haushalten auf über 12.000 Haushalte mehr als verdoppelt. Gegenwärtig umfasst das SOEP insgesamt etwa 20.000 Befragungshaushalte.
Der Wissenschaftsrat bescheinigte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des SOEP im Forschungsrating zur Soziologie exzellente Leistungen und zählte das SOEP im Jahr seines 25-jährigen Bestehens zu den drei besten soziologischen Forschungseinrichtungen in Deutschland.
Mit den multidisziplinären Kernthemen des SOEP – also gesellschaftlich bedeutsamen Fragen wie Lebensbedingungen, Zukunftserwartungen, Gerechtigkeit, Vertrauen, Risikobereitschaft und Lebenszufriedenheit – setzte sich Wagner auch in seiner eigenen Forschung und in der Politikberatung auseinander.
Er ist Vorsitzender der Zensuskommission der Bundesregierung und Vorsitzender des Rats für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD); er ist Mitglied der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität" des Deutschen Bundestags, der Kammer für Soziale Ordnung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sowie des Statistischen Beirats. Gert G. Wagner studierte Volkswirtschaftslehre und Soziologie in Frankfurt am Main, wurde an der Technischen Universität Berlin promoviert, wo er sich auch habilitierte. Er wurde am 5. Januar 1953 in Kelsterbach am Main (Hessen) geboren.