29. Oktober 2013

Industrietagung

Industrietagung 2013

Termin

29. Oktober 2013

Ort

Deutsche Bank AG
Eingang Charlottenstr.
Unter den Linden 13-15
10117 Berlin

Auf der Industrietagung steht traditionell die Entwicklung der deutschen Wirtschaft und ihrer Branchen im Vordergrund. Neben der kurzfristigen ökonomischen Entwicklung wird der strukturelle Wandel innerhalb und zwischen den Branchen thematisiert. DIW-Präsident Marcel Fratzscher skizziert die wirtschaftspolitischen Herausforderungen und Bereiche, in denen dringender Handlungsbedarf besteht. Die Tagung endet mit einem Vortrag von Klaus Günter Deutsch, Deutsche Bank Research. Er spricht zum transatlantischen Freihandel und dessen Chancen für die deutsche Industrie.

Die Industrie- und Dienstleistungstagung fördert seit 1960 den Dialog zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Auf dieser Expertentagung wird die konjunkturelle Entwicklung mit Repräsentanten aus Industrie- und Dienstleistungsverbänden diskutiert. Unterstützt wird die Veranstaltung von der Vereinigung der Freunde des DIW Berlin e.V. (VdF) und der Deutschen Bank Research.

Die Industrietagung 2013 begann mit einem Rätsel: In welchem Land ist die Wirtschaft im Vergleich zu 2009 um acht Prozent gewachsen und sind 1,2 Millionen neue Arbeitsplätze entstanden? Richtig, in Deutschland. Und in welchem Land sind im Vergleich zu 1999 keine Reallohnzuwächse zu verzeichnen und 400 Milliarden Euro Verluste auf Auslandsvermögen entstanden? Richtig, auch in Deutschland. Die vermeintlich gute derzeitige Lage der deutschen Wirtschaft scheint also nur eine Frage der Perspektive zu sein. „Es ist zweifelhaft, ob tatsächlich alles so hervorragend ist, wie oft behauptet wird“, sagte Marcel Fratzscher, Präsident des DIW Berlin in seinem Vortrag zu den wirtschaftspolitischen Herausforderungen nach der Bundestagswahl. Besonders sorgt er sich um die mit 17 Prozent in Relation zum Bruttoinlandsprodukt niedrige und tendenziell weiter fallende Investitionsquote in Deutschland. Etwa 81 Milliarden Euro an privaten und öffentlichen Mitteln fehlten jährlich, vor allem in den Bereichen Verkehrsinfrastruktur, Bildung und Forschung sowie Energie gebe es immensen Bedarf. Dabei sei die Zeit für Investitionen selten so günstig gewesen wie jetzt, erklärte Fratzscher mit Verweis auf die Überschüsse des öffentlichen Gesamthaushalts, die in den kommenden Jahren noch zunehmen dürften.

Allerdings könne eine weitere Verschlechterung der Lage im Euroraum nach wie vor nicht ausgeschlossen werden, so Fratzscher. Das bestätigte auch Simon Junker, stellvertretender Leiter der Abteilung Konjunkturpolitik am DIW Berlin, der anschließend die konjunkturelle Situation in Deutschland und der Welt skizzierte. Der Euroraum habe die Rezession zwar überwunden, die Zuwächse bei Konsum und Investitionen werden aber gering sein. Da folglich auch die Nachfrage nach Investitionsgütern niedrig bleibe, dürfte die exportstarke deutsche Wirtschaft vergleichsweise wenige Impulse aus den Nachbarländern erhalten. Weitaus mehr könne sie von der US-Konjunktur profitieren. „Im Gegensatz zum Euroraum haben die USA ihre Hausaufgaben gemacht“, befand Junker. Im Zusammenspiel mit einer dynamischen Binnennachfrage erwartet er für die deutsche Wirtschaft 2014 ein Wachstum von 1,8 Prozent.

Bevor die Moderatoren der Industrietagung, Eric Heymann (Deutsche Bank Research) und Ralf Messer (DIW Berlin), die Runde der Branchenvorträge – von der Automobilindustrie über die Stahlindustrie bis zur Elektronikindustrie – eröffneten, sprach Dorothea Lucke (DIW Berlin) zur industriellen Entwicklung in Deutschland und Europa. Insgesamt weise die Entwicklung der Auftragseingänge der deutschen Industrie darauf hin, dass die Produktion 2014 deutlich zulegen werde. Im Einklang mit der konjunkturellen Einschätzung von Simon Junker erwartet sie die Impulse aber vor allem aus dem Nicht-Euroraum, also unter anderem aus den USA.

Apropos USA: Im Anschluss an die aggregierte Industrieprognose – die im DIW Wochenbericht 47/2013 | PDF, 289.33 KB erschienen ist – referierte Klaus Günter Deutsch von Deutsche Bank Research über die Chancen einer transatlantischen Freihandelszone zwischen der Europäischen Union und den USA für die deutsche Industrie. Das Potential sei immens: Beide sind jeweils Haupthandelspartner füreinander, der Güterhandel zwischen Europäischer Union und Vereinigten Staaten macht 30 Prozent des gesamten Welthandels aus. Gleichzeitig sinken jedoch ihre weltweiten Anteile am Güter- und Dienstleistungshandel – eine engere Zusammenarbeit scheint also geboten, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und den Bedeutungsverlust abzufedern. Doch es lauern auch Stolpersteine in den Verhandlungen, beispielsweise beim Datenschutz. Und es bleibt die Frage: Wie würden andere Länder – vor allem China – auf ein solches Abkommen reagieren?

Über diese und weitere Fragen diskutierten die 90 Teilnehmer der seit 1960 stattfindenden Industrietagung im Anschluss und ließen den Tag in entspannter Gesprächsatmosphäre bei einem Abendempfang ausklingen.

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