Energieprobleme in der Sowjetunion und ihre Auswirkungen auf die wirtschaftlichen Entwicklungen in den osteuropäischen Ländern: Gutachten im Auftrage des Japanischen Generalkonsulats von Berlin

Sonstige DIW-Publikationen

Jochen Bethkenhagen

Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, 1980, 48 Bl.

Abstract

Die Sowjetunion zählt zu den wenigen Industriestaaten in der Welt, die ihren Energiebedarf aus eigenen Quellen decken können und darüber hinaus als Exporteur von Energieträgern auf dem Weltmarkt auftreten. Probleme ergeben sich für die sowjetische Energiewirtschaft allerdings sowohl aus Rückständen bei der Ausweitung des Energieangebots als auch aus einem überhöhten Energieverbrauch. Bereits jetzt hat die UdSSR angekündigt, daß sie ihre Energielieferungen in die osteuropäischen Länder in den kommenden fünf Jahren nicht mehr nennenswert steigern wird. Diese Probleme bleiben nicht ohne Rückwirkung auf die wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten der kleineren Staaten des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW), die von den sowjetischen Energielieferungen im hohen Grade abhängig sind. In dieser Studie werden zunächst Energiebedarf und Energieversorgung in der UdSSR und Osteuropa für den Zeitraum 1965 bis 1990 analysiert bzw. prognostiziert. Dabei wird von einem schwächeren Wirtschaftswachstum für die achtziger Jahre ausgegangen, ein Trend, der sich seit einiger Zeit sowohl für die Sowjetunion als auch für die übrigen RGW-Staaten abzeichnet. Vor diesem Hintergrund ist nicht damit zu rechnen, daß die Sowjetunion - wie das verschiedentlich vorausgesagt wurde- zum Nettoimporteur von Erdöl werden wird. Allenfalls werden ihre Mineralölexporte in westliche Länder leicht zurückgehen. Die sowjetische Energiepolitik gegenüber den RGW-Staaten ist von dem Bestreben gekennzeichnet, die Blockautarkie der Energieversorgung zu sichern. Die sowjetischen Energiepreise im RGW-Raum liegen deutlich unter dem' Weltmarktniveau; die Sowjetunion hat den Partnerländern darüber hinaus zur Finanzierung der Rohstoffeinfuhren Kredite eingeräumt. Eine Untersuchung über die Möglichkeiten der Zusammenarbeit der RGW-Staaten auf dem Energiesektor kommt zu dem Ergebnis, daß künftig nicht mehr - wie in den Siebziger Jahren - Investitionsbeteiligungen bei der Erschließung sowjetischer Lagerstätten im Vordergrund stehen werden. Vielmehr sehen die Vereinbarungen primär die Erweiterung der internationalen Arbeitsteilung (Spezialisierung und Kooperation) beim Ausbau der Kernenergie vor. Die RGW-Staaten müssen ihre Investitionsmittel in erster Linie für die Erweiterung der Kohleförderung, den Bau von Kernkraftwerken und für Energiesparmaßnahmen einsetzen. Vermutlich werden die kleineren RGW-Staaten in Zukunft kaum verstärkt auf Drittmärkten als Nachfrager von Energierohstoffen auftreten. Dagegen sprechen neben sicherheitspolitischen Überlegungen allein schon die mangelnden Finanzierungsmöglichkeiten, die in Verbindlichkeiten gegenüber westlichen Ländern in Höhe von 50 Mrd. US-Dollar ihren Niederschlag finden.

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