DIW Wochenbericht 32 / 1995, S. 559-570
Ulrich Weißenburger
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Seit dem Zerfall der Sowjetunion sieht sich die weissrussische Industrie mit schwierigen Umstellungsproblemen konfrontiert. Die drastische Reduzierung der Lieferungen von Energietraegern aus Russland und die massiven Preiserhoehungen fuer Erdoel und Erdgas haben die Wettbewerbsfaehigkeit der stark vom Handel mit Russland abhaengigen Industrie verschlechtert. Obwohl die weissrussische Regierung in den vergangenen Jahren versuchte, die industrielle Produktion mittels staatlicher Nachfrage zu stuetzen, konnte ein Rueckgang der Produktion in den Jahren 1991 bis 1994 um mehr als ein Drittel nicht verhindert werden. Mit ueber 80 vH verzeichnete die Brennstoffindustrie, die ueberwiegend russisches Erdoel weiterverarbeitet, die staerksten Produktionseinbussen. Im Maschinenbau, dem bedeutendsten Industriezweig des Landes, kam es wegen der Verringerung traditioneller Ausfuhren dieser Branche (Traktoren, Lastkraftwagen, Werkzeugmaschinen) bei vielen Erzeugnissen zu einem Produktionsrueckgang von 50 vH und mehr. Ein wesentliches Problem fuer die weissrussische Industrie ist die Ueberalterung ihres Anlagevermoegens. Trotz des grossen Investitionsbedarfs fiel der Rueckgang der Investitionen in den letzten vier Jahren mit knapp 50 vH staerker aus als die Schrumpfung der Industrieproduktion. Die Investitionsentwicklung in den einzelnen Industriezweigen verlief ausserordentlich uneinheitlich. Waehrend die Investitionen in die Erdoelindustrie, die Stromwirtschaft und die Holzverarbeitung gegenueber 1990 zugenommen haben, ging die Investitionstaetigkeit im Maschinenbau, der Baustoffindustrie, der Leichtindustrie und der Zellstoff- und Papierindustrie drastisch zurueck.
Themen: Industrie
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