Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP)

Referierte Aufsätze Web of Science

Jürgen Schupp

In: Bundesgesundheitsblatt 55 (2012), 6/7, S. 767-774

Abstract

Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist die derzeit größte und am längsten laufende multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland. Die erste Erhebungswelle fand 1984 in Westdeutschland statt; die Studie wurde dann im Juni 1990 auch auf Ostdeutschland ausgedehnt. Für das SOEP werden seit 1984 in Westdeutschland und seit 1990 in Ostdeutschland jedes Jahr mehr als 20.000 Menschen in über 10.000 Haushalten mithilfe persönlich-mündlicher Interviews von einem Umfrageinstitut befragt. Zwar stehen im SOEP außer der Greifkraft keine diagnostischen Informationen zur Beurteilung des Gesundheitszustands zur Verfügung, sondern vorzugsweise selbst- oder fremdbeobachtete Indikatoren, gleichwohl stellt es für gesundheitswissenschaftliche Arbeiten eine nahezu einzigartige Datenquelle dar, da es seine vielfältigen Themen sowohl mithilfe von objektiven als auch subjektiven Indikatoren erhebt. Aufgrund seines prospektiven Längsschnittdesigns ist die Studie zudem hervorragend dazu geeignet, in Spezialstichproben (wie etwa der Berliner Altersstudie II) auftretende Selektionsprobleme kontrollieren und korrigieren zu können. Und mit einer Laufzeit von mehr als 25 Jahren gibt es eine Reihe von Analysemöglichkeiten aufgrund „natürlicher Experimente“, die durch gesetzliche Änderungen induziert wurden. Das SOEP erlaubt aufgrund seiner repräsentativen Teilstichproben verallgemeinernde Aussagen über die Gesamtbevölkerung in Privathaushalten und kann durch seine Migrationsstichproben zudem einen eigenständigen Beitrag für diese Bevölkerungsgruppe leisten. Die Vielzahl SOEP-basierter gesundheitswissenschaftlicher Publikationen, die derzeit einen Schwerpunkt zu Themen der gesundheitlichen Ungleichheit und Health Economics aufweisen, dokumentiert die Bedeutung dieser für Sekundäranalysen der Wissenschaft frei zugänglichen Datenbasis. Aufgrund der Verbesserungen im Erhebungskonzept kann das SOEP verstärkt für Analysen im Bereich Public Health und Epidemiologie genutzt werden.

The Socioeconomic panel (SOEP) is currently the largest and longest running multidisciplinary longitudinal study in Germany. The first survey wave was completed in West Germany in 1984 and the study was expanded to include East Germany in June 1990. Every year since 1984 in West Germany and since 1990 in East Germany as well, a survey institute commissioned by the SOEP study has conducted personal oral interviews with more than 20,000 people in over 10,000 households. Although the SOEP does not contain any diagnostic information aside from grip strength for the evaluation of health status, instead using self-reported or proxy-reported indicators, it offers a dataset that is almost unparalleled in its ability to address a diverse range of topics with both objective and subjective indicators. Given the study’s prospective longitudinal design, it is also outstandingly suited to controlling and correcting problems of selection that commonly arise in special samples (such as the Berlin Aging Study II). Covering a period of over 25 years, the SOEP also offers a number of possibilities for the analysis of the “natural experiments” that arise through changes in legislation. The SOEP’s representative subsamples provide the basis for generalized conclusions about the total population living in private households and its migration samples also make an independent contribution for this population group. The numerous SOEP-based studies being published in the field of health sciences, most of which are currently concentrated around topics of health inequality and health economics, demonstrate the importance of this freely available research database for secondary analysis. Recent improvements in the survey concept will allow the SOEP to be used to an increased degree for analyses in the fields of public health and epidemiology.



Keywords: Health reporting, Social inequality, Cohort studies, Life circumstances, Life expectancy
DOI:
http://dx.doi.org/10.1007/s00103-012-1496-1

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