Elke Holst diskutiert auf Symposium in Tokio über Frauen in Führungspositionen

Bericht vom 2. Juni 2014

Wie lässt sich der Anteil von Frauen in Führungspositionen in Deutschland und Japan erhöhen? Und welche Herausforderungen bestehen insbesondere aus Sicht der Unternehmen? Darum ging es im Rahmen eines Symposiums, das das Japanisch-Deutsche Zentrum Berlin (JDZB), das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und das Keizai Koho Center (KKC; Japan Institute for Social and Economic Affairs) gemeinsam am 20. Mai 2014 in Tokio veranstaltet haben. Elke Holst, Forschungsdirektorin für Gender Studies, vertrat das DIW Berlin mit einem Vortrag und als Teilnehmerin einer Panel-Diskussion.

Dem Symposium in Japan lag die Erkenntnis zugrunde, dass die Chancengleichheit für Frauen auf dem Arbeitsmarkt – insbesondere in Führungspositionen – Herausforderung und Notwendigkeit zugleich ist für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in Deutschland und Japan. Vor allem hochqualifizierte Talente zu binden sei für Unternehmen und die gesamte Wirtschaft eines Landes wichtig, um wettbewerbsfähig zu bleiben, so der Tenor. Der demografische Wandel dürfte den Wettbewerb um kluge Köpfe in den kommenden Jahren noch verschärfen. Politik und Unternehmen beginnen jetzt verstärkt, sich um die Präsenz von Frauen in wirtschaftlichen und politischen Führungspositionen zu bemühen. Das Symposium diente dem Vergleich der Lage in Deutschland und Japan und gab Impulse zur besseren Umsetzung dieses Ziels.

Das DIW Berlin untersucht seit 2006 weit mehr Unternehmen als die 30 größten börsennotierten (DAX30), die für Deutschland in die Ländervergleichsstudien der Europäischen Kommission eingehen. Ende 2013 lag der Anteil der Frauen in den Vorständen der 200 größten Unternehmen bei nur 4,4 Prozent, in den Aufsichtsräten sah es mit einem Frauenanteil von 15,1 Prozent etwas besser aus (Managerinnen- Barometer im DIW Wochenbericht 3/2014). In Deutschland ist derzeit ein Gesetz in Vorbereitung, das eine Geschlechterquote in Höhe von 30 Prozent für die Aufsichtsräte voll mitbestimmungspflichtiger und börsennotierter Unternehmen ab 2016 einführen soll – was in Deutschland gut 100 Unternehmen beträfe. Etwa 3.500 weitere privatwirtschaftliche Unternehmen sollen gesetzlich verpflichtet werden, ab 2015 verbindliche Zielgrößen für die Erhöhung des Frauenanteils im Aufsichtsrat, im Vorstand und in den obersten Management-Ebenen festzulegen, sie zu veröffentlichen und transparent darüber zu berichten.

Japan verzeichnet in den Vorständen die niedrigste Frauenquote aller Industrieländer: Nur 1,1 Prozent der Unternehmensvorstände sind Frauen – der Durchschnitt aller Industrieländer liegt bei 11,1 Prozent (siehe GMI Ratings 2012 Women on Board Ratings). Obwohl sich der Anteil von Frauen in Führungspositionen in Japan nicht wesentlich erhöht hat, soll er laut Premierminister Shinzô Abe bis 2020 auf 30 Prozent steigen. Konkrete Schritte seiner Politik auf dem Weg dahin wurden auf dem Symposium gleichwohl nicht benannt.

Der Erfahrungsaustausch und die Diskussion über mögliche Wege zur Erhöhung des Anteils von Frauen in Führungspositionen verdeutlichte nicht nur die Notwendigkeit struktureller Maßnahmen auf allen Hierarchieebenen. Auch sei ein Kulturwandel nötig, der eine echte Willkommenskultur für Frauen in Führungspositionen schaffe. Viele Unternehmen sind darauf noch nicht vorbereitet: Nach wie vor kommen in Japan und Deutschland viele hochqualifizierte Frauen trotz sehr guter Leistungen gar nicht erst auf das „Radar“ der Entscheider. Dem entgegenzuwirken sei eine wichtige Aufgabe der Unternehmensführung; dazu bedürfe es einer effizienten Personalentwicklung, neuer Flexibilitäten sowie klarer Ziel- und Zeitvorgaben. Auch die Neuorganisation von Erziehungs- und Haushaltsarbeit spielte in diesem Zusammenhang während des Symposiums eine wichtige Rolle. Insgesamt – so wurde deutlich – ist das Denken in diese Richtung aber noch eher traditionell geprägt. Es bleibt also viel zu tun. In Deutschland ebenso wie in Japan.

Mehr Informationen zum Symposium und das Programm finden Sie auch im Bereich Gender Studies des DIW Berlin sowie auf den Seiten des Japanisch-Deutschen Zentrums Berlin.

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