Informelle Pflege

Informelle Pflege

Informelle Pflege bezeichnet die Unterstützung und Betreuung pflegebedürftiger Menschen durch Angehörige, Freund*innen oder andere nahestehende Personen – in Abgrenzung zur formellen Pflege durch ausgebildete Fachkräfte in ambulanten Diensten oder Pflegeheimen. Sie erfolgt überwiegend unentgeltlich ist aber zentraler Baustein des deutschen Pflegesystems.

Das Elfte Sozialgesetzbuch (SGB XI) hat informelle Pflege von Beginn an als tragende Säule angelegt: Zentrales Ziel der Pflegeversicherung ist es, pflegebedürftigen Menschen ein möglichst langes Leben in der gewohnten häuslichen Umgebung zu ermöglichen. Ende 2023 galten rund 5,7 Millionen Menschen nach SGB XI als pflegebedürftig; davon wurden 86 Prozent in Privathaushalten versorgt, während lediglich 14 Prozent stationär in Heimen lebten. Ausdruck dieser Ausrichtung ist insbesondere das Pflegegeld (§ 37 SGB XI), das Pflegebedürftige anstelle von Sachleistungen beziehen und an betreuende Angehörige weitergeben können. Laut SOEP-Daten beziehen 61 Prozent der Haushalte, in denen eine pflegebedürftige Person lebt, Pflegegeld.

Die Zahl der informell Pflegenden übersteigt die der Beschäftigten im formalen Sektor um ein Vielfaches. Informelle Pflege beginnt dabei häufig bereits vor der Zuerkennung eines Pflegegrades und wird zu 64 Prozent außerhalb des eigenen Haushalts geleistet – überwiegend für Eltern und Schwiegereltern. In den meisten Fällen sind Frauen die Hauptpflegeperson. Ein erheblicher Anteil der Pflegenden steht gleichzeitig im Erwerbsleben, was die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf zur zentralen sozialpolitischen Herausforderung macht. Angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels im professionellen Pflegesektor dürfte die Bedeutung informeller Pflege weiter steigen - wobei sie im Pflegesystem eine klar definierte, aber auch begrenzte Rolle haben sollte, da die wachsende Pflegenachfrage nicht allein durch Angehörige und Bekannte getragen werden kann.

Stand: Mai 2026

Das DIW Glossar

Das DIW Glossar ist eine Sammlung von Begriffen, die in der wissenschaftlichen Arbeit des Instituts häufig verwendet werden. Die hier gelieferten Definitionen sollen dem besseren Verständnis der DIW-Publikationen dienen und wichtige Begriffe aus der empirischen Wirtschafts- und Sozialforschung so prägnant wie möglich erklären. Das Glossar hat keinen Anspruch auf lexikalische Vollständigkeit.

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