Die westdeutsche Industrie in der Rezession

DIW Wochenbericht 12 / 1993, S. 125-130

Arthur Boneß

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Abstract

Die Produktion im Bergbau und verarbeitenden Gewerbe Westdeutschlands ist 1992 nach einer langen Phase der Expansion gesunken. Das Produktionsvolumen war um 1,4 vH niedriger als 1991. Begonnen hat die konjunkturelle Abkühlung mit einer Schwächung der ausländischen Nachfrage nach deutschen Investitionsgütern. Auf die Industrie wirkte sich dies alles in allem wegen des Nachfrageschubs aus den neuen Bundesländern zunächst aber kaum aus. Dies gilt vor allem für den Konsumgüterbereich. Erst die Rückbildung der Nachfrage aus den neuen Bundesländern im Jahre 1992 sowie die zunehmende Abschwächung der Investitionsneigung in Westdeutschland haben im Laufe des vergangenen Jahres zu Produktionseinschränkungen geführt. Impulse gingen lediglich noch von der regen Bautätigkeit aus, wodurch die Beschäftigung in einigen Industriezweigen gesichert wurde. Insgesamt produziert die Industrie Westdeutschlands immer noch auf einem relativ hohen Niveau. Auch blicken viele Unternehmen auf eine sehr lange Phase guter Ertragsentwicklung zurück, so daß sie einen konjunkturellen Einbruch ohne größeren Schaden überstehen müßten. Sorgen bereiten allerdings Ausmaß und Tempo des Abschwungs sowie die Situation in einigen zentralen Branchen. Wenn die Nachfrageausfälle nicht nur in der Stahlindustrie, sondern auch in anderen Branchen wie dem Maschinenbau und dem Fahrzeugbau nicht nur konjunkturelle, sondern auch strukturelle Ursachen haben, dann wird die Erholung der Industrie längere Zeit benötigen. Dies gefährdet aber die Industrialisierung in Ostdeutsch land, die nur vor dem Hintergrund einer starken und gut ausgelasteten Industrie Westdeutschlands gelingen wird.

Themen: Konjunktur


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