Sowjetische Energiewirtschaft: die Krise verschärft sich

DIW Wochenbericht 16 / 1991, S. 208-214

Hella Engerer

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Abstract

Die seit zwei Jahren dauernde Krise der sowjetischen Energiewirtschaft verschärft sich zusehends. Nachdem 1989 erstmals seit Ende des II. Weltkriegs die gesamte Energieproduktion gesunken war (-0,8 vH), setzte sich der Rückgang 1990 beschleunigt fort (-2,4 vH). Die Erdölproduktion ist 1990 gegenüber dem Vorjahr um ca. 6 vH gefallen und die Erdgasgewinnung wächst deutlich langsamer als es noch Mitte der 80er Jahre der Fall war. Diese ungünstigen Entwicklungen auf der Produktionsseite haben im vergangenen Jahr zu erheblichen Engpässen in der Binnenversorgung und zu einem Sinken der Mineralölexporte geführt. Von 1991 an sollen die zentral geplanten Investitionen in die Energiewirtschaft auf die Hälfte reduziert werden. Die bisherige Politik der permanenten Angebotsausweitung kann aus Kapitalmangel offensichtlich nicht länger fortgeführt werden. Resultierten frühere Produktionsrekorde aus ständig steigenden Mittelzuweisungen, so ist nun ein Sinken der Gesamtförderung unabwendbar. Diesem Rückgang des inländischen Aufkommens steht noch immer ein hohes Verbrauchsniveau gegenüber. Der Ressourcenreichtum des Landes hat dazu verführt, die Entwicklung von Sparkonzepten für die Nachfrageseite zu vernachlässigen. Damit ist zu erwarten, daß Förderrückgänge bei anhaltender Energieverschwendung im Inland den Spielraum für Energieexporte immer mehr verengen werden.

Hella Engerer

Wissenschaftlerin Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt


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