DDR-Landwirtschaft vor erneutem Umstrukturierungsprozess

DIW Wochenbericht 33 / 1990, S. 468-472

Horst Lambrecht

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Abstract

Die Landwirtschaft in der DDR steht nach Öffnung der Grenzen und Einführung der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion vor schweren Problemen. Sie ist unmittelbar konfrontiert mit dem Zusammenbruch ihrer einstmals sicheren Absatzmärkte, mit abrupt sinkenden Erlösen und großen Liquiditätsschwierigkeiten. Zu den Ursachen gehören eine niedrige Qualität der Erzeugnisse, Probleme im Handelsbereich und vor allem der aufgestaute Westwarenhunger der Bevölkerung, der den DDR-Produkten derzeit keine Chance läßt. Darüber hinaus werden jetzt die grundsätzlichen Schwächen dieses Bereichs sichtbar, in erster Linie die niedrige Arbeitsproduktivität. Hohe Erzeugerpreise, zusammen mit der Abschirmung vor Konkurrenz von außen garantierten bisher ein auskömmliches Dasein. Sich demnächst in einem vereinigten Deutschland und in der EG behaupten zu müssen, stellt die DDR-Landwirtschaft vor große Anpassungsprobleme. In der DDR wurde versucht, mit dem Aufbau von Großbetrieben die Nachteile kleinbäuerlicher Produktionsweise zu überwinden. Der Erfolg ist jedoch ausgeblieben. So steht der Landwirtschaft im Gebiet der DDR demnächst wieder ein Umstrukturierungsprozeß großen Stils bevor. Es wird dies - nach Bodenreform, Kollektivierung und Industrialisierung - die vierte einschneidende Transformation für die Landwirtschaft in diesem Teil Deutschlands nach dem zweiten Weltkrieg sein.

Themen: Umweltmärkte


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