Deutschland – ein Streikland? Kommentar von Karl Brenke

Kommentar vom 9. September 2015

Vermehrt fragen Journalisten aus dem Ausland nach: Ist das über viele Jahre so ruhige Deutschland zum Streikland geworden? Wird der als fleißig, aber eher als untertänig angesehene Deutsche plötzlich aufmüpfig? Der Eindruck kann sich tatsächlich aufdrängen. Im letzten Jahr begann der gerade beendete Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn, den viele Bahnkunden durch Zugausfälle und Verspä-tungen zu spüren bekamen. Der Online-Versandhändler Amazon wurde bestreikt, was Verzögerungen bei den Bestellungen nach sich zog. In diesem Jahr kam es bei der Post zu Streiks, wodurch sich Briefe und Pakete in den Versandzentren stapelten. Bei den kommunalen Sozial-und Erziehungsdiensten (Kitas, Heime) schwelt der Konflikt weiter, weil die nach Streiks angesetzte Schlichtung erfolglos blieb. Bei der Lufthansa streiken aktuell die Piloten. Es gibt weitere Beispiele.

Auffallend ist, dass sich die Streiks hin zum Dienstleistungssektor verschoben haben. In der Industrie kommt es schon seit längerer Zeit allenfalls zu Warnstreiks – und fast nur mit Beteiligung der IG Metall. Die Funktionäre der Chemiegewerkschaft kennen Streiks – abgesehen von kleineren betrieblichen Auseinandersetzungen – nur noch aus den Geschichtsbüchern.

Der vollständige Kommentar im Wochenbericht 37/2015 (PDF, 128.79 KB)
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