Kommentar vom 30. September 2015
Der 25. Jahrestag der Wiedervereinigung ist Anlass für vielfältigste Reflektionen. Hier soll erinnert werden, welche Rolle Berechnungen des DIW Berlin und ein Bericht in der Morgenpost gespielt haben. [Marschall, Birgit (BM) (1992): Wirtschaft im Osten ist desolater als befürchtet. In: Berliner Morgenpost, 10. Februar 1992]
Als die deutsche Vereinigung Ende des Jahres 1989 denkbar geworden war, ging man –DIW-Berechnungen folgend – anfänglich davon aus, dass die DDR-Volkswirtschaft in etwa die Zehntstärkste der Welt sei. Und rasch war ein Eins-zu- eins-Umtauschkurs der Mark der DDR in die D-Mark im Gespräch. Insofern waren genaue Analysen der Produktivität der ostdeutschen Wirtschaft Anfang 1990 sehr gefragt. Das DIW ging, aufbauend auf der jahrzehntelangen systematischen Beobachtung der DDR-Wirtschaft, von einem 50-Prozent-Produktivitätsniveau der DDR im Vergleich zur BRD aus. Da die Nominallöhne in der DDR nur ungefähr halb so hoch waren wie in Westdeutschland, erschien der politisch angestrebte Eins-zu-eins-Umtauschkurs ökonomisch gerechtfertigt. Aber diese Berechnungen, die letztlich auf von der DDR gefälschten Statistiken beruhten, wurden Anfang 1990 plötzlich von einem Wirtschaftswissenschaftler der Akademie der Wissenschaften der DDR zusammen mit einer Mitarbeiterin des DIW, Renate Filip-Köhn, in Frage gestellt.
Der vollständige Kommentar im Wochenbericht 40/2015 (PDF, 160.18 KB)
Foto: Karl-Heinz Laube / pixelio.de