Direkt zum Inhalt

Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung "Niedrigzinsen: Ursachen, Wirkungen, Ausstiegsoptionen" erschienen

Bericht vom 28. September 2016

Im Juli 2014 ist die Europäische Zentralbank erstmals seit ihrer Gründung in den Bereich negativer Zinsen vorgestoßen. Der Zins, zu dem Banken Geld bei der EZB einlegen können, sank auf minus 0,1 Prozent. Mittlerweile liegt der Einlagensatz nach weiteren Zinsschritten bei minus 0,4 Prozent.

Parallel dazu sind auch die Ausleihzinsen der EZB gesunken. Übernachtkredite an die Geschäftsbanken werden von der EZB zum Spitzenrefinanzierungssatz vergeben. Dieser liegt bei 0,25 Prozent. Im März 2016 hat auch der Hauptrefinanzierungssatz die Nulllinie erreicht. Banken müssen diesen Satz zahlen, wenn sie sich längerfristig Geld von der EZB leihen. Im Schlepptau der niedrigen Leitzinsen sind auch die Renditen von Staatsanleihen der Euroraum mit höchster Bonität auf einen historischen Tiefststand gesunken.

Nicht immer war Krisenmanagement mit Niedrigzinsen verbunden. Das zeigen einige Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit. So hat die schwedische Reichsbank den Leitzins auf dem Hö- hepunkt der schwedischen Finanzkrise kräftig erhöht. Im Oktober 1992 setzte sie den Hauptrefinanzierungssatz von 8,5 Prozent auf zehn Prozent herauf.

Den Spitzenrefinanzierungssatz hob die Reichsbank am 9. September 1992 von 16 auf 75 Prozent an. Nach einer kurzzeitigen Absenkung auf 20 Prozent stieg er am 15. September 1992 sogar auf 500 Prozent. Sechs Tage später, am 21. September 1992, setzte die Reichsbank den Satz dann wieder auf 50 Prozent herab. Weitere Reduktionsschritte folgten. Mitte Oktober lag der Satz bei 16,5 und Ende 1992 wieder bei zwölf Prozent.

zum Vierteljahrsheft zur Wirtschaftsforschung 1/2016

keyboard_arrow_up