Das Schwerpunktheft 2/2007 der Vierteljahrshefte des DIW Berlin analysiert die heute verabschiedete Unternehmensteuerreform. Die Beiträge zeigen, dass mit der deutlichen Senkung der Grenzsteuerbelastung international ein richtiges Signal gesetzt wurde. Die Gesamtbilanz fällt aber gemischt aus, denn die Maßnahmen zur Einschränkung von Steuergestaltungsmöglichkeiten machen das Steuersystem unsystematischer und komplizierter und können unerwünschte wirtschaftliche Wirkungen auslösen.
Die ersten beiden Beiträge beschäftigen sich mit den internationalen Trends der Unternehmens- und Kapitaleinkommensbesteuerung: Der Aufsatz von Andreas Haufler beschreibt die Ausbreitung von steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten multinationaler Firmen und diskutiert die Aufkommens- und Wohlfahrtswirkungen internationaler Koordinierung. Margit Schratzenstaller stellt den Steuerwettbewerb in der EU dar, der tendenziell zu einer Erosion zu einer Erosion des Steueraufkommens und zu einer Konvergenz der Unternehmensbesteuerung führe. Zu beobachten sei in vielen Ländern eine Entlastung von Unternehmens- und Kapitaleinkommen gegenüber Arbeitseinkommen sowie fehlende Rechtsform und Finanzierungsneutralität. - Johannes Becker und Clemens Fuest geben einen Überblick über die wichtigsten Elemente der Unternehmensteuerreform 2008 und analysieren ihre ökonomischen Wirkungen. Die Reform mache Deutschland zwar für international agierende und ertragsstarke Unternehmen interessanter, führe aber zu weniger Investitionen von im Inland tätigen Unternehmen. Die Eigenkapitalfinanzierung werde gegenüber Fremdkapital benachteiligt. - Ralf Maiterth und Heiko Müller legen eine detaillierte steuerrechtliche und -technische Analyse vor. Sie halten das Reformpaket für eine Mogelpackung, das die steuerliche Gleichmäßigkeit verletze. Sie befürchten eine erhebliche Komplizierung des Steuerrechts durch die diversen Maßnahmen gegen Gestaltungsmöglichkeiten (Zinsschranke, Mantelkauf, Funktionsverlagerungen). Verzerrungen werde insbesondere die geplante Ab-geltungssteuer auslösen. - Stefan Bach, Hermann Buslei, Nadja Dwenger und Frank Fossen untersuchen die fiskalischen Effekte und die Verteilungswirkungen der Reform mit dem Mikrosimulationsmodell BizTax des DIW Berlin. Die Simulationsergebnisse bestätigen weitgehend die Aufkommensschätzung der Bundesregierung, zeigen aber auch, dass ertragsstarke Unternehmen von den Steuersatzsenkungen profitieren, kleinere oder ertragsschwächere Personenunternehmen dagegen stärker mit Gewerbesteuer belastet werden. - Christoph Spengel, Christina Elschner, Michael Grünewald und Timo Reister analysieren den Einfluss der Unternehmensteuerreform 2008 auf die Steuerbelastung mittelständischer Unternehmen. Für internationale Investoren wird der Standort Deutschland aufgrund der Steuersatzsenkungen attraktiver. Die Entlastung fällt jedoch geringer aus, wenn man die Anteilseigner einbezieht, da mit der Abgeltungsteuer das bisherige Halbeinkünfteverfahren abgeschafft wird. Bei ertragsstarken mittelständischen Personengesellschaften könne es trotz der Begünstigung nicht entnommener Gewinne zu Mehrbelastungen kommen. - Doina Maria Radulescu und Michael Stimmelmayr simulieren die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen der Unternehmensteuerreform und anderer Reformvorschläge. Die Unternehmensteuerreform schneidet dabei schlecht ab, während die Duale Einkommensteuer des Sachverständigenrats oder der Reformvorschlag von Kirchhof einen positiven Impuls auf das Wachstum bewirken.
Reform der Unternehmensbesteuerung 2008. Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung des DIW Berlin, Heft 2 (2007), erschienen bei Verlag Duncker & Humblot GmbH (Tel. 030-790 00 60)
Autoren: Stefan Bach, Johannes Becker, Hermann Buslei, Nadja Dwenger, Christina Elschner, Frank Fossen, Clemens Fuest, Michael Grünewald, Andreas Haufler, Ralf Maiterth, Heiko Müller, Doina Maria Radulescu, Timo Reister, Margit Schratzenstaller, Christoph Spengel, Michael Stimmelmayr.
Eine begrenzte Zahl von Rezensionsexemplaren kann über die Pressestelle des DIW Berlin bezogen werden.