Ausbildung ausweiten und effektiver gestalten

Pressemitteilung vom 18. Juli 2007

Kürzere Ausbildungszeiten und mehr Engagement der Unternehmen in der betrieblichen Ausbildung fordert das DIW Berlin in seinem aktuellen Wochenbericht 29/2007. In der Vergangenheit ist wegen der steigenden Bildungsbeteiligung das Erwerbspersonenpotential der jungen Menschen in Deutschland geschrumpft. In einigen Jahren werden zudem auch deshalb weniger junge Personen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, weil geburtenschwache Jahrgänge nachrücken. Darauf müssen Politik und Unternehmen reagieren.
Seit Mitte der 90er Jahr ist die Bildungsbeteiligung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen gestiegen - und die Erwerbsbeteiligung gesunken. Der Trend geht hin zu höheren Schulabschlüssen und einer verstärkten Studienneigung. Die Studienanfänger sind in Deutschland im Schnitt allerdings bereits 22 Jahre alt; das Erststudium wird mit durchschnittlich 28 Jahren erfolgreich abgeschlossen. Besonders stark hat die Erwerbsbeteilung bei den 20 bis 25-Jährigen nachgelassen; nicht einmal die Hälfte von ihnen steht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung.

Das Angebot an Lehrstellen entwickelte sich pro-zyklisch: Bis zum konjunkturellen Hoch im Jahr 2000 stieg es, danach nahmen die Ausbildungsplätze bei gleichzeitig steigender Nachfrage ab. Erst im letzen Jahr nahmen sie wieder zu. Für unversorgte Jugendliche bildeten sich Warteschleifen, was dazu beigetragen hat, dass das Durchschnittsalter der Jugendlichen beim Abschluss der Lehre steigt. Hinzu kommt, dass immer mehr Abiturienten für eine betriebliche Ausbildung genommen wurden.

Im Zuge des aktuellen konjunkturellen Aufschwungs verbesserte sich auch die Arbeitsmarktsituation der Jugendlichen. In den Jahren zuvor stieg deren Erwerbslosigkeit allerdings in überdurchschnittlichem Maße. Und weiterhin ist die Erwerbslosigkeit unter jungen Menschen viel stärker ausgeprägt als unter den übrigen Erwerbspersonen. Und sie ist auch weit höher als nach den Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Dass rund 40% der erwerbslosen Jugendlichen keinen Berufsabschluss haben, war bereits in den 90er Jahren ein strukturelles Problem. Nach 2000 hat auch unter den Personen mit einer betrieblichen Ausbildung die Arbeitslosigkeit zugenommen. Zwar ist die Zahl der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss gesungen, aber immer noch recht hoch - insbesondere in Ostdeutschland.

Aufgrund der demografischen Entwicklung wird die Zahl der Jüngeren und - insbesondere in Ostdeutschland - in wenigen Jahren deutlich schrumpfen. Das ganze Ausmaß der Veränderungen wird aber aufgrund der hohen Bildungsbeteiligung unter den Jugendlichen erst mit Zeitverzug auf dem Arbeitsmarkt sichtbar werden. Sinnvoll wäre es deshalb, durch die Vermeidung von Leerlauf und die Entrümpelung von Lehrplänen die Schulzeit bis zum Abitur zu kürzen und die betriebliche Berufsausbildung zu straffen. Ähnliches sollte auch im Bereich der Hoch und Fachhochschulausbildung geschehen. Statt langer beruflicher Erstausbildung in den Betrieben und Hochschulen sollte mehr auf lebenslanges Lernen gesetzt werden.
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