Syrien muss seine Abhängigkeit vom Erdölexport überwinden

Pressemitteilung vom 27. September 2006

Die Wirtschaft Syriens muss den Rückgang der Ölproduktion im Zuge ausgeschöpfter Ölreserven kompensieren und neue Wachstumsfelder erschließen. Wachstumspotential liegt in der Liberalisierung des Handels vor allem mit den arabischen Ländern und im Ausbau der Gasproduktion. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Wochenbericht des DIW Berlin 39/2006. Voraussetzung hierfür ist jedoch die erfolgreichen Umsetzung marktwirtschaftlicher Reformen, die Maßnahmen zur systematischen Liberalisierung und Verbesserung des gesamten institutionellen Rahmens umfassen.
Zwar ist die syrische Wirtschaft seit dem Jahr 2000 – nicht zuletzt aufgrund der steigenden Ölpreise – stetig gewachsen, doch ihre Struktur hat sich nur wenig verändert. Erdöl und Erdölprodukte haben immer noch einen Anteil am Gesamtexport von 70 %. Die Entwicklung war in den letzten Jahren von abnehmender Ölproduktion, entsprechend rückläufigen Ölexporten und einer Verschlechterung der Leistungsbilanz gekennzeichnet. Ende 2005 hat die Regierung beschlossen, die Planwirtschaft schrittweise in eine soziale Marktwirtschaft zu überführen. Ein umfassendes konsistentes Reformprogramm fehlt allerdings noch. Der Bankensektor ist extrem unterentwickelt: So wurden z. B. im Jahr 2005 nur 4 % aller Investitionen mit Bankkrediten finanziert. Der Aufbau eines institutionellen Rahmens für das Finanzsystem und eine effektive Finanzaufsicht steht erst am Anfang. Infolge der sinkenden Ölproduktion wächst das Staatsdefizit ständig. Staatliche Vorleistungen für private Investitionen sind deshalb kaum möglich. Für eine Verbreiterung der Steuerbasis besteht allerdings erheblicher Spielraum, da es derzeit weder eine Umsatzsteuer noch eine Mineralölsteuer gibt. Die höheren Steuereinnahmen sollten zur Schaffung eines Sozialversicherungssystems eingesetzt werden. Subventionen und Regulierungen sollten schrittweise abgebaut werden.
keyboard_arrow_up