Innovationsfähigkeit: Deutschland braucht mehr Schwung

Pressemitteilung vom 8. November 2006

Deutschland liegt mit seiner Innovationsfähigkeit in einer Gruppe von 17 weltweit führenden Industrieländern auf Platz 7. Es konnte zwar seinen Indikatorwert gegenüber dem Vorjahr etwas verbessern, kam aber in der internationalen Rangfolge nicht voran, da auch die Konkurrenten zugelegt haben. So fasst der aktuelle Wochenbericht 45/2006 des DIW Berlin die Ergebnisse des Innovationsindikator Deutschland 2006 zusammen.
Das DIW Berlin hat in diesem Jahr zum zweiten Mal im Auftrag der Deutsche Telekom Stiftung und des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) eine Gesamtindikator für die Innovationsfähigkeit Deutschlands im internationalen Vergleich ermittelt. An der Spitze des Rankings liegt wie im Vorjahr die USA, gefolgt von Finnland, der Schweiz, Schweden und Dänemark. Mit einem deutlichen Rückstand befindet sich Deutschland im breiten Mittelfeld. Schlusslichter sind Spanien und Italien. Die Stärken Deutschlands liegen vor allem in der Umsetzung von Innovationen auf dem Markt und in der Vernetzung von Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Die größte Schwachstelle ist das Bildungssystem. Nachteile werden aber auch bei der Regulierung der Märkte und der Finanzierung von Innovationen sichtbar. Auch das gesellschaftliche Innovationsklima ist in vielen Wettbewerberländern besser. Dies zeigt sich u.a. an der geringen Mitwirkung von hoch qualifizierten Frauen in Forschung und Innovation.

Mit Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen wurden erstmals zwei Bundesländer in wichtigen Feldern in den internationalen Vergleich gestellt. Besonders im Fall von Baden-Württemberg zeigen sich dabei die Stärken und Schwächen des deutschen Systems wie in einem Brennglas: Das Land erzielt im internationalen Vergleich Spitzenergebnisse bei der Umsetzung von Innovationen auf dem Markt sowie bei Forschung und Entwicklung, landet aber im Bereich Bildung abgeschlagen auf dem 11. Rang.

In der Schlussgruppe liegt Deutschland, wenn es um die Beteiligung von qualifizierten Frauen am Innovationsprozess geht. Deutschland erreicht hier nur den 11. und bei den Einstellungen der Bevölkerung zur Berufstätigkeit von Frauen nur den 12. Platz. Führend sind die nordeuropäischen Länder Finnland, Schweden und Dänemark. Das Potential, das qualifizierte Frauen für die Innovationsfähigkeit eines Landes bieten, wird in Deutschland zu wenig ausgeschöpft. Dabei muss schon vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des steigenden Fachkräftebedarfs der Frauenanteil in Forschung und Wissenschaft in Deutschland erhöht werden. Im akademischen Bereich muss vor allem die Zahl der Absolventinnen in den naturwissenschaftlich-technischen Fächern steigen. Barrieren für Frauen, die eine wissenschaftliche Karriere einschlagen wollen, müssen gesenkt werden. Zur Verbesserung der Position Deutschlands ist aber auch ein gesellschaftliches Klima erforderlich, das Frauen zu Investitionen in Bildung und zur Teilnahme an risikoreichen Innovationsprozessen ermutigt und sie nicht zusätzlich behindert.
keyboard_arrow_up