Trotz weiter steigender Motorisierung hat der nichtmotorisierte Verkehr, er umfasst die Wege, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden, nach wie vor eine hohe Bedeutung für den gesamten Personenverkehr. Zu diesem Ergebnis kommt das DIW Berlin in seinem aktuellen Wochenbericht Nr. 44/2006. Fast jeder dritte Weg wird zu Fuß oder mit dem Fahrrad unternommen. Gemessen an den zurückgelegten Kilometern dominiert aber das Auto: Im Jahr 2004 legte jeder Einwohner in Deutschland – ohne Flugreisen – durchschnittlich 12 740 km zurück, davon 10 800 km im Auto, 1 100 km in Bus und Bahn, 370 km auf dem Fahrrad und 470 km zu Fuß.
Anteil und Zahl der Wege zu Fuß variieren deutlich mit der Siedlungsstruktur. In den Ballungsräumen wird gut ein Viertel der Wege zu Fuß zurückgelegt, in ländlichen Gemeinden nur jeder fünfte Weg. Die meisten Wege zu Fuß, 444 im Jahr, legen Kinder im Grundschulalter zurück. Aber auch Vollzeit-Erwerbstätige, die mehr als die Hälfte ihrer Ziele als Autofahrer ansteuern, haben durchschnittlich noch rund 200 Wege als Fußgänger. Mit den Wegen zu Fuß wird offensichtlich in allen Alterstufen der Grundbedarf der Mobilität gedeckt.
Nicht nur beim Fahrradbesitz sondern auch bei der Fahrradnutzung gibt es dagegen zwischen den Bevölkerungsgruppen große Unterschiede. Am häufigsten sind Schüler und Studenten mit dem Fahrrad unterwegs, sie legen 14 Prozent bzw. 12 Prozent ihrer Wege mit dem Fahrrad zurück, gefolgt von Arbeitslosen mit 11 Prozent. Rentner unter 75 Jahren sind vergleichsweise häufiger mit dem Rad unterwegs als Erwerbstätige (gut 9 Prozent gegenüber gut 7 Prozent), der Anteil des Radverkehrs beträgt aber auch bei den älteren Rentnern (ab 75 Jahren) noch 7 Prozent.
Im Zuge des demographischen Wandels wird der nichtmotorisierte Verkehr seine Bedeutung zumindest behalten, wenn nicht sogar ausweiten. Der Rückgang, der mit der geringeren Zahl von Kindern und Jugendlichen einhergehen wird, dürfte durch die Mobilität der immer zahlreicheren Älteren ausgeglichen werden. Die Einrichtungen und Rahmenbedingungen für den Fußgänger- und Fahrradverkehr sollten daher insbesondere in den Städten weiter verbessert werden.