Das neue Vierteljahresheft zur Wirtschaftsforschung 1/2007 des DIW Berlin spiegelt mit insgesamt 12 Beiträgen die kontroversen Meinungen zur Energiepolitik wieder. Einig sind sich alle Autoren über die Dringlichkeit und Wichtigkeit des Klimaschutzes. Die Beiträge kommen zu dem folgenden Schluss: Der Klimaschutz ist bedeutend und muss schneller Lösungen hervorbringen.Der Emissionsrechtehandel sollte verbessert werden, insbesondere sollten einheitliche Regeln in Europa gelten. Ein Großteil der Autoren bewertet die Versteigerung der Emissionsrechte als positiv. Energieeffizienzverbesserungen können einen substantiellen Beitrag zum Klimaschutz und zur Versorgungssicherheit leisten. Erneuerbare Energien spielen eine bedeutsame Rolle und können Europa- und weltweit zur Versorgungssicherheit und zum Klimaschutz beitragen. Allerdings müssen die erneuerbaren Energien weiterhin stark gefördert werden und können in den kommenden 20 Jahren wettbewerbsfähig werden. Der Wettbewerb auf dem Strom- und Gasmarkt muss verbessert werden. Vor allem muss die Netzregulierung verbessert werden. Ohne eine effektive Netzregulierung wird es keinen ausreichenden Wettbewerb geben. Russland wird auch weiterhin eine bedeutende Rolle für die Energieversorgung in Europa spielen. Da Russland über weltweit bedeutsame Energiereserven verfügt, besitzt Russland eine strategische Dominanz gegenüber Europa.
Die Energiepolitik in Deutschland und Europa nimmt in zunehmenden Maße eine zentrale Rolle ein. Ausgelöst durch steigende Öl- und Gaspreise und damit steigende Benzin-, Heizöl und Strompreise und dem Streit um Öl- und Gaslieferungen aus Russland, dem Klimawandel und dem Ausstieg aus der Atomenergie in Deutschland kommen energiepolitische Entscheidungen mehr und mehr in den Blickwinkel. Im Rahmen der deutschen EU Ratspräsidentschaft ist die Energie- neben der Klimapolitik an die erste Stelle gerückt. Eine nachhaltige Energiepolitik muss die drei Ziele Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und Umweltverträglichkeit gleichrangig erfüllen. Europa und auch Deutschland haben mit einer Reihe politischer Maßnahmen auf diese Anforderungen regiert. Neben der Einführung des Emissionshandelsmarktes, der Förderung erneuerbarer Energien und der Einrichtung einer Regulierungsbehörde zur Netzaufsicht beim Strom- und Gastransport sind diverse weitere Maßnahmen eingerichtet worden, um die energie- und auch klimapolitischen Ziele zu erfüllen. Allerdings stehen alle genannten Instrumente derzeit stark im Fokus der möglichen Veränderungen. Brüssel hat eine lange Liste zur Verbesserung der politischen Maßnahmen im Rahmen ihres Aktionsplans „An energy policy for Europe“ vorlegt. Danach sollte die Energieimporte reduziert werden, und die Energieanbieterländer möglichst breit diversifiziert werden, um sich nicht zu abhängig von einem Lieferland, wie zum Beispiel Russland, zu machen. Zudem sollte der Energiemarkt innerhalb Europas besser harmonisiert und verbunden werden. Um Marktmacht zu verhindern, sollten die Energieversorger die Produktionssparten von dem Transport und dem Vertrieb trennen. Zudem sollten die einzelnen Länder die Fördermaßnahmen zur Förderung erneuerbarer Energien harmonisieren und insgesamt die CO2 Emissionen stark reduzieren.
Die Energiepolitik zwischen Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit. Vierteljahrshefte für Wirtschaftsforschung 76 (2007), 1. Verantwortlich: Claudia Kemfert, Barbara Praetorius. Rezensionsexemplare können über die Pressestelle des DIW Berlin bezogen werden.