Zukunft des deutschen Bankensektors: DIW Berlin stellt Fünf-Punkte-Plan vor

Pressemitteilung vom 16. Februar 2007

Das neue Vierteljahrsheft des DIW Berlin greift in die langwierige Diskussion um die zukünftige Gestaltung des deutschen Bankensektors ein. Es zieht eine erste Bilanz der Reform des deutschen Dreisäulensystems, analysiert die aktuellen Entwicklungen im europäischen Vergleich sowie Investitionsfinanzierung und Sparverhalten und ermöglicht einen geschärften Blick auf die Praxis. Aus den teilweise kontroversen Beiträgen lassen sich fünf zentrale Punkte ableiten:
1. Zeit nutzen: Die Reform des deutschen Bankensektors sollte zügig vorangetrieben werden. Es geht darum, den deutschen Bankensektor international konkurrenzfähig zu machen. Gerade die momentan günstige Ertragssituation sollte dazu genutzt werden, wichtige Pflöcke für weitere Reformen einzuschlagen.

2. Partikularinteressen überwinden – gesamtwirtschaftlich denken: Die aktuell günstige Entwicklung geht nicht auf eine weit reichende Revision des Dreisäulensystems zurück. Vor diesem Hintergrund ist genau abzuwägen, was von einer eventuellen Revision der Eigentumsstruktur im Bankensektor erwartet wird. Hierbei müssen über die Grenzen von Interessengruppen hinweg die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Kreditwirtschaft, aber auch die internationale Wettbewerbssituation in Betracht gezogen werden.

3. Innovative Finanzierungsinstrumente entwickeln: Die Diskussion um den Fortbestand des Dreisäulensystems wird andauern und kann – sachlich geführt - zu innovativen Finanzierungsinstrumenten gerade für den in Deutschland so wichtigen Mittelstand beitragen. Zentrale Förderaufgaben sollten dabei stärker als bislang in die Hände von Spezialinstituten wie etwa der Kreditanstalt für Wiederaufbau gelegt werden. Auch wird der Kapitalmarktfinanzierung in Zukunft eine größere Bedeutung zukommen.

4. Verunsicherung der Sparer durch Stabilität entgegentreten: Der Stabilität des Finanzsektors kommt gerade im Bereich der Alterssicherung eine herausragende Bedeutung zu. Die alleinige Renditeorientierung greift bei der Diskussion um die Leistungsfähigkeit und Performance des deutschen Finanzsektors deshalb zu kurz.

5. Die Rolle des Staates in der Finanzintermediation neu begründen: Die Privatisierungsdebatte ist keineswegs als abgeschlossen zu betrachten. Die Rolle des Staates als Finanzintermediär muss ökonomisch begründet sein, historische Argumente reichen nicht mehr aus. In diesem Rahmen muss auch die Diskussion um die Zukunft der Landesbanken geführt werden, die teilweise das Potenzial hätten, als global player aufzutreten.
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