Das dauerhafte Auseinanderlaufen der Lohnstückkosten in der Eurozone kann langfristig zu Wachstumseinbußen führen und birgt Risiken für das Fortbestehen der Währungsunion. Zu diesem Ergebnis kommt das DIW Berlin in seinem aktuellen Wochenbericht 22/2007. Ursache der Divergenz sind vor allem starke Veränderungen in der Wettbewerbsposition einzelner Länder seit Beginn der Währungsunion. So hat sich die Position der südeuropäischen Länder um rund ein Zehntel verschlechtert, während sich diejenige Deutschlands fast im gleichen Ausmaß verbessert hat. Dass der Lohnstückkostenanstieg in einzelnen Ländern auch strukturell deutlich vom Durchschnitt abweicht, deutet auf eine dauerhafte Divergenz hin. Außerdem wirken Abweichungen im Euroraum länger nach als entsprechende regionale Divergenzen in den USA oder in Westdeutschland.
Steigende Divergenzen können das Resultat unterschiedlicher Prozesse sein und bedeuten deshalb für sich genommen noch nicht allzu viel. Schädlich für das reibungslose und effiziente Funktionieren einer Währungsunion sind vor allem strukturelle Divergenzen in den Lohnstückkosten, die nicht auf Unterschiede in den nationalen Konjunkturzyklen zurückzuführen sind. Gemessen am Durchschnitt der Eurozone haben sich die Lohnstückkosten seit dem Beginn der Währungsunion im Jahr 1998 bis zum Jahr 2006 in Spanien um gut 16 %, in Portugal um 11 %, in Irland um 10 % und in Italien um über 9 % erhöht. Den stärksten Anstieg verzeichnete Griechenland mit 12 % seit seinem Beitritt im Jahr 2001. In einigen Fällen ist nicht nur die jüngste Dynamik, sondern auch das Niveau im historischen Vergleich ungewöhnlich: Spanien hat heute eine Wettbewerbsposition, die ungefähr jener im Jahr 1992 entspricht, Portugal und Griechenland sind derzeit so wenig wettbewerbsfähig wie noch nie seit Beginn der 80er Jahre. Bedenklich ist auch, dass der Trend in der Regel anhaltend ist, d. h. die betroffenen Länder haben ihre Wettbewerbsposition kontinuierlich verschlechtert. Das einzige Land, das einen negativen Trend wieder korrigieren konnte, sind die Niederlande. Auf der anderen Seite haben Deutschland und Österreich ihre Wettbewerbsposition kontinuierlich verbessert durch Senkung der Lohnstückkosten um 9 % bzw. 6 %. Der starke Lohnstückkostenanstieg in den südeuropäischen Länder kann auch nicht durch ein entsprechendes Produktivitätswachstum im Zuge eines wirtschaftlichen Aufholprozesses erklärt werden. Gezielte Reformen auf den Arbeitsmärkten der Mitgliedsländer könnten zukünftig verhindern, dass einzelne Länder systematisch vom Rest der Währungsunion abweichen. Die Folgen von temporären Ungleichgewichten sollten durch eine europäisch abgestimmte antizyklische Fiskalpolitik besser abgefedert werden.