Die Sicherheit der europäischen Erdgasversorgung kann durch die konsequente Vollendung des europäischen Binnenmarktes erheblich gesteigert werden, so das DIW Berlin in seinem aktuellen Wochenbericht 24/2007. Europa sollte in der Liberalisierung dem Vorbild der Vereinigten Staaten folgen. Weitere wesentliche Maßnahmen zur Stärkung der Versorgungssicherheit Europas sind der freie Zugang zu Erdgaspipelines und -speichern sowie deren Ausbau. Da sich der Handel mit Flüssiggas globalisiert, wird das strategische Gewicht Russlands für die europäische Erdgasversorgung etwas abnehmen.
Erdgas ist ein relativ CO2-armer Energieträger und wird deshalb einen steigenden Anteil an der Energieversorgung, insbesondere in der Stromerzeugung, haben. Die europäischen Erdgasmärkte haben allerdings in ihrer Entwicklung noch einen weiten Weg zu freien Märkten zu gehen. Der Vergleich mit dem liberalisierten nordamerikanischen Markt zeigt, dass Versorgungssicherheit dort durch den Markt geschaffen wird, während sie in Europa nur ein geopolitisches Konzept ist. Der Unterschied liegt in der Marktstruktur mit sehr vielen kleinen Unternehmen in Nordamerika, die de facto keinen Einfluss auf die Preisgestaltung haben, und einer kleinen Zahl von marktbeherrschenden Unternehmen in Europa. Ein weiteres Problem ist in Europa die noch weitgehend uneinheitliche bzw. nicht vorhandene Regulierung des Zugangs zu den Pipelines. Eine angemessene Regulierung muss die spezifische Sektorstruktur und eventuelle vertikale Integration berücksichtigen, um Anreize auch für langfristige Investitionen zu setzen. Wie für Pipelines sollte auch der Zugang zu Erdgasspeichern reguliert und damit Dritten ermöglicht werden. Da sich die vormals regionalen Erdgasmärkte im Rahmen der Globalisierung immer stärker integrieren und die Nachfrageentwicklung in China und Indien ungewiss ist, empfiehlt sich ein verstärkter Ausbau der europäischen Importinfrastruktur.