Asien: Plädoyer für eine schrittweise Liberalisierung des Kapitalverkehrs

Pressemitteilung vom 16. August 2006

Die Liberalisierung des Kapitalverkehrs in Asien sollte schrittweise erfolgen und von effizienten Kapitalverkehrskontrollen begleitet werden. Zu diesem Ergebnis kommt das DIW Berlin in seinem aktuellen Wochenbericht 33/2006. Eine stärkere regionale Kooperation ist dabei der Schlüssel für die langfristige Verbesserung der Wachstumsaussichten und kann gleichzeitig die Risiken destabilisierender Kapitalströme minimieren.
Die Asienkrise 1997/1998 hat gezeigt, dass eine vollständige Kapitalmarktliberalisierung in Volkswirtschaften mit schwachen institutionellen Rahmenbedingungen nicht sinnvoll ist. Denn gerade jene Länder, die ihre Märkte für internationale Kapitalströme weit geöffnet hatten, waren von der Krise betroffen, die übrigen Länder hingegen kaum. Auch eine vorbildliche Bankenaufsicht und eine stabile Wirtschaftslage haben zum Beispiel Hongkong nicht von der Krise verschont. Als Krisenprävention sind daher neben der Stärkung der Banksektoren, die nach der Krise auch in Angriff genommen wurde, weitere Maßnahmen zur Kontrolle von Umfang und Zusammensetzung grenzüberschreitender Finanzströme notwendig. Eine Gefahr für das heimische Finanzsystem geht vor allem von kurzfristigen Finanzzuflüssen aus, die oftmals spekulativen Zwecken dienen. Ziel eines Kontrollsystems muss es deshalb sein, die Struktur der Kapitalzuflüsse hin zu längerfristigen Instrumenten zu verschieben, ohne das Gesamtvolumen der Kapitalzuflüsse zu verringen. Das chilenische encaje-System kann dabei als Modell dienen, denn es ist einfach in der Anwendung, transparent und flexibel.

Seit der Krise werden in Asien Bemühungen um eine intensivere regionale Kooperation verstärkt vorangetrieben, wobei Japan die treibende Kraft ist. Furcht vor Verlust nationaler Souveränität und Bedenken hinsichtlich einer möglichen Vormachtstellung einzelner Länder spielen allerdings noch eine große Rolle und wecken Erinnerungen an den Prozess der europäischen Integration. Vielversprechende Ansätze sind der seit 2003 bestehende Asiatische Anleihenmarkt, die bevorstehende Einführung einer Asian Currency Unit (ACU) und erste Schritte in Richtung eines Asiatischen Währungsfonds.
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