Trotz Klimaschutzabkommen: Weltweit steigende CO2-Emissionen

Pressemitteilung vom 30. August 2006

Die Kohlendioxidemissionen sind im vergangenen Jahr gegenüber dem Vorjahr weltweit um etwa 2,5 % gestiegen, gegenüber 1990 betrug der Anstieg sogar nahezu 27 %. Zu diesem Ergebnis kommt das DIW Berlin in seinem aktuellen Wochenbericht 35/2006. Damit hat der weltweite Klimaschutz im vergangenen Jahr erneut einen Rückschlag erlitten, wenn auch die Zunahme im Jahr 2005 schwächer ausfiel als im Jahr davor (4,5 %). Selbst viele der Länder, die das Kioto-Protokoll ratifiziert haben, sind noch weit von ihrem zugesagten Reduktionsziel entfernt. Vorübergehende Rückgänge sind fast ausschließlich auf den starken wirtschaftlichen Einbruch in den mittel- und osteuropäischen Ländern während der 90er Jahre zurückzuführen.
In Deutschland sind die Kohlendioxidemissionen gegenüber dem Vorjahr um 2,3 % und gegenüber dem Basisjahr 1990 um 19 % gesunken. Damit fehlen Deutschland zur Erreichung des Kioto-Zieles (-21 %) noch gut zwei Prozentpunkte, das entspricht rund 22 Mill. t CO2-Äquivalenten. Finnland, Frankreich, Großbritannien und Schweden haben ihr Soll schon erfüllt. In den meisten Mitgliedsländern der EU-15 haben die CO2-Emissionen dagegen seit 1990 kräftig zugenommen, etwa in Spanien (62 %), Portugal (50 %) Irland (45 %), Österreich und Griechenland (jeweils 30 %), Niederlande (16 %) und Italien (13 %) .Hier müsste es schon zu einer drastischen Trendumkehr kommen, wenn das Emissionsziel erreicht werden sollte. Die Verfehlung der Kioto-Ziele ist somit für die EU bereits vorprogrammiert.

Einen wesentlichen Beitrag zur Minderung der Treibhausgasemissionen sollte der Emissionshandel leisten, der jedoch auf die Sektoren Energiewirtschaft und Industrie begrenzt ist. Hier müssen noch entsprechende, klare Emissionsbegrenzungen – sogenannte caps – durchgesetzt werden. Handlungsbedarf besteht aber vor allem auch in den nicht vom Emissionshandel betroffenen Sektoren, etwa bei den privaten Haushalten, insbesondere aber im Verkehr. EU-weit ist der Verkehr inzwischen nach der Energieindustrie, jedoch deutlich vor allen anderen Bereichen, der größte CO2-Emittent.
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