Hohe Sparquote bremst Konsum

Pressemitteilung vom 5. Oktober 2006

Neben der schwachen Entwicklung der Lohneinkommen ist eine weitere Hauptursache für die anhaltend geringe Konsumnachfrage in Deutschland die steigende Sparquote der privaten Haushalte, die auch auf absehbare Zeit kaum sinken wird. Zu diesem Ergebnis kommt das DIW Berlin in seinem aktuellen Wochenbericht 40/2006.
In Deutschland fiel der Anstieg der Sparquote zeitlich mit der Konsumstagnation zusammen: Die deutsche Sparquote stieg von gut 9 % im Jahr 2000 auf beinahe 11 % im Jahr 2005 und ist damit inzwischen höher als die der meisten anderen großen Industrieländer, wo der Trend einen allgemeinen Rückgang der Sparquote verzeichnet. Dieser Anstieg ist zum einen auf die wachsende Einkommensungleichheit – Haushalte mit hohem Einkommen sparen relativ viel – und zum anderen auf eine erhöhte Neigung zum Vorsorgesparen zurückzuführen. Hinzu kommt, dass durch gute Konjunktur bedingte Vermögenszuwächse – insbesondere an den Immobilienmärkten – in Deutschland ausgeblieben sind, während diese in anderen Ländern den privaten Konsum stabilisiert haben. Der Trend der steigenden Einkommensungleichheit kann nur durch eine Rückkehr zu am Produktivitätszuwachs orientierten Lohnsteigerungen gebremst werden. Die Politik indes sollte für notwendig erachtete Reformen zügig und im Rahmen einer schlüssigen Gesamtkonzeption umsetzen, um der wachsenden Unsicherheit privater Haushalte nicht weiter Vorschub zu leisten.
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