Auf längere Sicht müssen privat Krankenversicherte mit deutlich stärkeren Steigerungen ihrer Prämien rechnen als gesetzlich Versicherte. Zu diesem Ergebnis kommt das DIW Berlin in seinem aktuellen Wochenbericht 46/2006 auf Basis der Daten der vom DIW Berlin in Zusammenarbeit mit Infratest Sozialforschung erhobenen Längsschnittstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP). Nur eine vollständige Übertragbarkeit der Altersrückstellungen kann für mehr Wettbewerb innerhalb der privaten Krankenversicherung sorgen und ihre Attraktivität langfristig sicherstellen.
Ende des Jahres 2005 waren in Deutschland insgesamt knapp 9,2 Millionen, also mehr als ein Zehntel der Gesamtbevölkerung, privat krankenversichert. Über die vergangenen 20 Jahre hinweg haben sich die durchschnittlichen Prämien in der privaten Krankenversicherung (PKV) mehr als verdreifacht und sind damit nahezu doppelt so stark gestiegen wie in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Die effektive Prämiensteigerung dürfte jedoch noch deutlich höher liegen, da Versicherte der PKV die Möglichkeit haben, durch Wechsel in andere Tarife der gleichen Versicherung, durch Anhebung der Selbstbeteiligung oder durch Leistungsausschlüsse ihre Prämienhöhe zu reduzieren. Ältere Versicherte mit länger laufenden Verträgen sind am stärksten von den Prämiensteigerungen betroffen. Hauptursache für den Prämienanstieg ist die bei Vertragsabschluss gesetzlich vorgeschriebene – wenngleich unrealistische – Annahme von konstanten Leistungsausgaben über den gesamten Vertragszeitraum hinweg. So kommt es in Folge von überproportionalen Kostensteigerungen, zunehmender Leistungsinanspruchnahme, medizinischem Fortschritt oder einer gestiegenen Lebenserwartung immer wieder zu deutlichen Prämiensteigerungen. Zudem versuchen Ärzte, die Budgetierung der Leistungsausgaben für gesetzlich versicherte Patienten durch Mehreinnahmen bei Privatpatienten zu kompensieren.