Italien: Wettbewerbsfähigkeit sinkt

Pressemitteilung vom 29. November 2006

Das Kernproblem der italienischen Wirtschaft ist die mangelnde und weiter abnehmende internationale Wettbewerbsfähigkeit. Zu diesem Ergebnis kommt das DIW Berlin in seinem aktuellen Wochenbericht 48/2006. Ursachen dafür sind eine Lohnpolitik, die den Verteilungsspielraum deutlich überschreitet, fehlende Struktur- und Arbeitsmarktreformen sowie ein in weiten Teilen ineffizienter Dienstleistungs- und Verwaltungssektor.
Die italienische Wirtschaft hat gegenwärtig mit einer Reihe von Problemen zu kämpfen, für die es weder eine einfache noch eine kurzfristige Lösung gibt. Die scheinbare Erholung in der jüngsten Zeit beruht hauptsächlich auf der guten weltwirtschaftlichen Entwicklung und ist nicht durch einen entsprechenden Produktivitätsanstieg gedeckt. Eine neue wirtschaftliche Dynamik kann sich nur aus einer stärkeren Expansion der außenwirtschaftlichen Nachfrage entwickeln. Dafür mangelt es der italienischen Wirtschaft aber an internationaler Wettbewerbsfähigkeit. Dies lässt sich vor allem an den Lohnstückkosten ablesen, die in Italien in den letzten Jahren doppelt so schnell gestiegen sind wie im Durchschnitt des Euroraumes. Insbesondere in den zukunfts- und exportträchtigen Bereichen der Hochtechnologie muss die Wettbewerbsfähigkeit verbessert werden, wobei das Augenmerk vor allem auf die Produktivitätssteigerung gerichtet sein sollte. Außerdem sollte der Arbeitsmarkt weiter flexibilisiert werden, beispielsweise durch Lockerung des Kündigungsschutzes und flankierende Maßnahmen wie Bürokratieabbau und Qualifizierungsmaßnahmen.

Die Defizitquote der öffentlichen Haushalte ist nach beeindruckenden Konsolidierungserfolgen in den 90er Jahren in den letzten Jahren wieder erheblich angestiegen. Anders als in Deutschland wurden in Italien in den letzten Jahren vor allem kurzfristig wirksame Maßnahmen eingeleitet, die nur einmalige Einnahmen erbrachten. Da eine stärkere Konsolidierung der Staatsfinanzen über die Ausgabenseite derzeit politisch nicht durchsetzbar ist, sollten zumindest die staatlichen Ausgaben zugunsten des unzureichend finanzierten Bildungs- und Forschungsbereichs umgeschichtet werden. Dies würde auch das langfristige Wachstum fördern.
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