Wachsende Haftungslast von Architekturbüros verstärkt Marktkonzentration

Pressemitteilung vom 7. März 2007

Architekten und Ingenieure sehen sich einer wachsenden Haftungslast ausgesetzt, die sich in erhöhten Versicherungskosten niederschlägt. Den Architekten drohen aktuell zwei- bis dreifach höhere Prämien für die Berufshaftpflicht. Erhöhte Versicherungskosten verringern die Rentabilität der Branche beträchtlich: Die Nettorenditen sinken unabhängig vom Bürotyp um ca. 20 Prozentpunkte. In einer Situation mit gesetzlich gebundenen Preisen und einer geringen Wirtschaftlichkeit zahlreicher Büros führt dies zu einer weiteren Verdrängung von Architekten in den Nebenerwerb, kurzfristig auch zu einer Zunahme der Arbeitslosigkeit in diesem Sektor, so der Wochenbericht des DIW Berlin Nr. 10/2007.
Der Markt für Architekten- und Ingenieursleistungen ist in sich sehr heterogen. Eine große Zahl kleiner und sehr kleiner Einzelbüros mit einem Jahresumsatz von weniger als 100 Tsd. Euro arbeitet unterhalb der Grenze zur Eigenwirtschaftlichkeit. Ihnen steht eine über die Umsatzklassen stark streuende Zahl von Bürogesellschaften gegenüber, bei denen im Durchschnitt zehn Personen tätig sind und die einen Jahresumsatz von durchschnittlich rund 1 Mill. Euro erwirtschaften. Während die umsatzstarken, rentablen Büros bei Haftungs- und Deckungsausweitungen weiterhin eine mindestens marktübliche Verzinsung des Eigenkapitals erzielen, fallen die Büros mittlerer Größe in den kritischen Bereich der Verzinsung. Die umsatzschwachen Einzelbüros sinken noch tiefer in die Verlustzone. Da hier aber bereits jetzt nur Nebeneinkommen generiert werden, dürfte die zusätzliche Ertragsschwächung nicht zu größeren Beschäftigungseffekten führen. Ein Rückgang der Beschäftigungszahl dürfte in der Hauptsache bei den mittelgroßen Büros auftreten. In der Umsatzklasse zwischen 150 Tsd. und 200 Tsd. Euro sinkt die Rendite von vormals 10 Prozent auf –20 Prozent, in der Umsatzklasse 250 Tsd. bis 300 Tsd. Euro von vormals 16 Prozent auf –22 Prozent. Der erwartete kurzfristige Rückgang der Beschäftigung im mittleren Segment beläuft sich auf 11 000 bis 13 000 Beschäftigte, das sind 9 bis 11 Prozent der Gesamtbeschäftigung in diesem Berufszweig.
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