Wettbewerbspolitische Bedenken gegen Trusted Computing

Pressemitteilung vom 15. August 2007

Die Trusted Computing Initiative zur Verbesserung der Computer- und Internetsicherheit wirft eine Fülle von wettbewerbspolitischen Fragen und Problemen auf. Zu diesem Ergebnis kommt das DIW Berlin in seinem aktuellen Wochenbericht 33/2007. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen könnten dadurch im Innovationswettbewerb beeinträchtigt werden.
Unter dem Label Trusted Computing Group hat sich ein weltweites Konsortium von Unternehmen der Hard- und Softwareindustrie gebildet, das an einem universellen Standard für sichere Rechnersysteme einschließlich der Datenkommunikation über Internetverbindungen arbeitet. Ziel ist die Zertifizierung für Hard- und Softwarekomponenten, um nachträgliche Manipulationen durch nicht-zertifizierte Komponenten zu verhindern. Im Zuge der zunehmenden weltweiten Angriffe auf Rechnersysteme soll damit den wachsenden Sicherheitsbedürfnissen der Anwender erfolgreicher als bisher Rechnung getragen werden. Wenn die Zertifikate nicht diskriminierungsfrei und transparent erteilt werden, wären Marktzutrittsbarrieren die Folge. Zudem entstehen durch Zertifizierungsverfahren Kosten, die für kleine und mittlere Unternehmen aufgrund der geringeren Käufer- bzw. Lizenznehmerzahlen stärker ins Gewicht fallen. Bei einer breiten Einführung von Trusted Computing erhöht sich der Anpassungsdruck; die Wechselkosten sind jedoch insbesondere bei komplexen Systemen wie z. B. Industrieanlagen erheblich. Kleinere Unternehmen verfügen auch nicht über genügend Macht, innerhalb des Standardisierungsprozesses technisch bessere Lösungen gegenüber Weltmarktführern durchzusetzen. Auch das Open-Source-Modell dürfte kaum aufrechtzuerhalten sein. Die genannten wettbewerbspolitischen Probleme erfordern mithin eine entsprechende Prüfung des Bundeskartellamtes und der EU-Wettbewerbskommission. Dabei ist auch darauf zu achten, dass marktbeherrschende Unternehmen keine strategischen Vorteile durch Implementierungsschutzrechte gewinnen und Interoperabilitätsauflagen den Wettbewerb um die "beste" Standardisierung sichern.
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