In der erweiterten EU gehen die zwischen den einzelnen Ländern bestehenden Unterschiede in den Preisen für Waren und Dienstleistungen tendenziell zurück. Zu diesem Ergebnis kommt das DIW Berlin in seinem aktuellen Wochenbericht 38/2007. Mit der Erweiterungsrunde 2004 hat sich dieser Prozess noch etwas beschleunigt. Triebfeder dieser Entwicklung ist der ökonomische Aufholprozess der neuen Mitgliedsländer. Auch der intensivierte Wettbewerb durch die EU-Erweiterung trägt dazu bei.
Die Halbwertzeit - das heißt die Zeit, die erforderlich ist, um eine zwischen den alten und den neuen Mitgliedsländer bestehende Preislücke zur Hälfte zu schließen - hat sich seit der EU-Erweiterung von zehn auf acht Jahre reduziert. Innerhalb der homogeneren Gruppen der alten und der neuen Mitgliedsländer sind die Anpassungsprozesse kürzer.
Die Preise für Waren sind stärker angenähert als die Preise für Dienstleistungen, von denen ein großer Teil nicht international gehandelt wird. So beträgt das Preisniveau der Beitrittsländer bei Waren rund 72 Prozent des durchschnittlichen Preisniveaus im Euroraum, bei Dienstleistungen sind es dagegen nur 42 Prozent. Auf Dauer sollten sich - nicht zuletzt vor dem Hintergrund einer zunehmenden Einkommensangleichung - die Preise identischer Güter so weit annähern, dass das gleiche Produkt in verschiedenen Regionen der EU zu einem einheitlichen Preis erworben werden kann. In der Folge werden sich dann auch die Preise für Dienstleistungen zunehmend angleichen.
In den neuen Mitgliedsländern, in denen die Preise noch durch Subventionen niedrig gehalten werden, wird die schrittweise Aufhebung der Preiskontrollen mit Preissteigerungen einhergehen. In den alten Mitgliedsländern mit weitgehend liberalisierten Preisen werden dagegen weitere Deregulierungen in Netzwerkindustrien wie der Energieversorgung zu Preissenkungen führen. Diese Entwicklung konnte in den letzten Jahren bereits in der Telekommunikationsbranche beobachtet werden.