Immobilienpreise ohne Bedeutung für den Konsum in Deutschland

Pressemitteilung vom 30. August 2007

In Deutschland kann die Konsumschwäche der vergangenen Jahre nicht auf die stagnierenden Immobilienpreise zurückgeführt werden. Zu diesem Ergebnis kommt das DIW Berlin in seinem aktuellen Wochenbericht 35/2007. Die Entwicklung des privaten Konsums wird nur in Volkswirtschaften mit einem wertpapierbasierten Finanzsystem von den Immobilienpreisen beeinflusst. Da dort die Risiken in höherem Maße handelbar sind, kann Vermögen vermehrt zur Absicherung von Verbindlichkeiten eingesetzt werden. In Ländern wie Deutschland hingegen, in denen der Bankkredit das wichtigste Finanzierungsinstrument ist und Vermögensaktiva in weniger starkem Umfang beliehen werden können, sind die Immobilienpreise für den privaten Konsum weitgehend bedeutungslos.
Die Autoren untersuchten die Entwicklung von Konsumverhalten, Finanz- und Immobilienmärkten in 15 Ländern. Insgesamt zeigt sich ein deutlicher Einfluss der Vermögenswerte auf die Konsumausgaben, wobei die Bedeutung der Immobilienmärkte in den letzten Jahren noch gewachsen ist. Pro Euro Vermögenszuwachs werden im Durchschnitt etwa 3 Cent für den Konsum verwendet. In wertpapierbasierten Volkswirtschaften wie etwa den USA und Großbritannien hat das Vermögen eine deutlich höhere Relevanz für den Konsum: Bei einem Vermögenszuwachs werden pro Euro rund 4 Cent für zusätzlichen Konsum verausgabt. Dies entspricht ungefähr dem Fünffachen des Wertes, der sich in den stark an Bankkrediten orientierten Ländern wie Frankreich, Deutschland und Italien zeigt. Ein Unterschied zwischen den beiden Ländergruppen ist insbesondere beim Immobilienvermögen feststellbar. In bankbasierten Ländern ist praktisch nur das Finanzvermögen ausschlaggebend für das Konsumverhalten, während vom Immobilienbesitz keine Impulse ausgehen.
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