DIW Berlin: Flexible Ziele statt strikter Vorgaben beim Klimaschutz

Pressemitteilung vom 19. Dezember 2007

Der Widerstand der USA lässt sich knacken

Die USA sollten durch flexiblere Zielvorgaben für den weltweiten Klimaschutz gewonnen werden. Dafür plädiert das DIW Berlin nach der Verabschiedung der Bali-Roadmap für ein globales Klimaabkommen. "Wir brauchen ein weltweites Ziel von drei Tonnen CO2-Ausstoß pro Kopf," sagte DIW-Klimaschutzexpertin Prof. Dr. Claudia Kemfert. "Wir brauchen aber mehr Flexibilität, auf welchem Weg jedes einzelne Land dieses Ziel erreicht."
Ein verbindliches internationales Klimaschutzabkommen ist in Bali an den politischen Widerständen der USA und Chinas gescheitert. Ein weltweiter Emissionsrechtehandel scheint somit nicht realisierbar zu sein. "Wenn wir dennoch alle großen Emissionsländer einbinden wollen, kommt es darauf an, die für den Klimawandel verantwortlichen Staaten durch möglichst viel Flexibilität zur Mitwirkung zu gewinnen", so DIW-Expertin Claudia Kemfert. "Unser Ziel muss es sein, den Widerstand der USA zu knacken." Soll die globale Temperatur bis zum Jahr 2100 um nicht mehr als zwei Grad Celsius steigen, dürfen im weltweiten Durchschnitt die Pro-Kopf-Emissionen drei Tonnen nicht überschreiten. Dies geht aus den Berechnungen des Intergovernmental Panel of Climate Change (IPCC) hervor. Derzeit liegen alle Industrienationen weit über diesem Ziel: Die USA verursachen nahezu 20 Tonnen pro Kopf, Europa zehn, und China fast acht. Nur Entwicklungs- und Schwellenländer wie Indien, Brasilien oder Afrika liegen deutlich unter dem "Drei-Tonnen-pro-Kopf"-Ziel. Bisher sind nur Europa, Australien und Japan bereit, konkrete absolute Minderungsziele zu vereinbaren. Die USA dagegen sperren sich wie beispielsweise auch Russland gegen feste Zielgrößen, weil sie starke ökonomische Einbußen befürchten. Um den Widerstand dieser Länder aufzubrechen, plädiert das DIW Berlin daher dafür diese Länder mittels indexierter Vorgaben in ein Klimaschutzabkommen einzubinden. Indexiert heißt: Nicht mehr der absolute CO2-Ausstoß steht im Vordergrund. Vielmehr würde ein bestimmter Grad an Energieeffizienz vereinbart oder die Emissionen auf die Wirtschaftsleistung des jeweiligen Landes bezogen werden. Diese Vorgaben könnten dann nach und nach angepasst werden.
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