How Often Have You Felt Disadvantaged? Explaining Perceived Discrimination

Aufsätze referiert extern - Web of Science

Claudia Diehl; Elisabeth Liebau; Peter Mühlau

In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 73 (2021), 1, S.1–24

Abstract

Im Rahmen einer Längsschnittanalyse des sozio-oekonomischen Panels gehen wir der Frage nach, wie sich Diskriminierungswahrnehmungen von Einwanderern und ihren Nachkommen im Laufe des Integrationsprozesses verändern. Insgesamt betrachtet fühlen sich Migrantinnen und Migranten, deren Integration weiter fortgeschritten ist, seltener aufgrund ihrer Herkunft benachteiligt. Allerdings zeigen gruppenspezifische Analysen, dass in Deutschland geborene Türkeistämmige sich mit zunehmenden deutschen Sprachkenntnissen und zunehmender Identifikation mit Deutschland stärker diskriminiert fühlen. Für diese Gruppe finden wir Hinweise auf ein Integrationsparadox, das heißt für die These, dass gerade besonders weitgehend integrierte Migrantinnen und Migranten negativere Einstellungen zum Zielland aufweisen. Unsere Befunde sprechen dafür, dass diesem Sachverhalt vor allem attributionale Prozesse zugrunde liegen und dagegen, dass Individuen, deren Integration weiter fortgeschritten ist, Diskriminierungsprozessen besonders stark ausgesetzt sind. Gerade wenn diese Herkunftsgruppen angehören, die mit salienten „ethnic boundaries“ konfrontiert sind, verschwindet Diskriminierung mit zunehmender Integration nicht – und trifft gleichzeitig bei den Betroffenen auf ein wachsendes Bewusstsein für Diskriminierung und eine größere Sensitivität gegenüber dieser. Dies bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass wahrgenommene Diskriminierung losgelöst von der Realität wäre.

Based on longitudinal data from Germany, we analyze how perceptions of discrimination change once migrants’ integration evolves. Individuals who identify more strongly with the host country, speak the language, have native friends, and are adequately employed report less discrimination overall. However, group-specific analyses reveal that German-born Turks feel more rather than less discriminated against after their language skills and their identification increase. For this group, we find evidence for the “integration paradox”, i.e., the finding that better educated migrants have more rather than less negative attitudes about the host society. Results suggest that attributional processes rather than rising exposure to discrimination might be the main mechanism linking integration to higher levels of perceived discrimination. Obviously, discrimination does not disappear for groups facing salient ethnic boundaries and is met with growing awareness and sensitivity among individuals that have become more similar to the majority of members. This, in turn, by no means implies that perceived discrimination is detached from reality.

Elisabeth Liebau

Research Associate in the German Socio-Economic Panel study Department



Keywords: Germany, Discrimination, Integration, Immigration, Ethnic boundaries, Deutschland, Diskriminierung, Integration, Einwanderung, Ethnische Grenzziehungen
DOI:
https://doi.org/10.1007/s11577-021-00738-y
Frei zugängliche Version: (econstor)
http://hdl.handle.net/10419/235612

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