Die wachsende Furcht der US-Bürger vor Rezession und Arbeitslosigkeit könnte den Ausgang der Präsidentschaftswahl bestimmen. Zu diesem Ergebnis kommt das DIW Berlin in einer aktuellen Studie auf der Grundlage von Informationszugriffen im Internet. Allerdings ist der finanzielle Handlungsspielraum des künftigen US-Präsidenten aufgrund der Finanzmarktkrise stark eingeschränkt. Nicht zuletzt deswegen wird sich die Wirtschaftspolitik der USA auch bei einem Sieg von Obama vermutlich nicht grundlegend ändern.
Das DIW Berlin untersuchte die Internet-Zugriffe auf beiden Seiten des Atlantiks auf ökonomische Schlüsselbegriffe und die Namen der Kandidatenpaare. Das überraschende Ergebnis: "In Deutschland wird dem Begriff Finanzkrise mehr Aufmerksamkeit geschenkt als im Ursprungsland der Krise" sagte DIW-Präsident und Mitautor der Studie Klaus F. Zimmermann. "Dagegen ist das Interesse am Stichwort Arbeitslosigkeit gerade in den letzten Wochen bei den US-Bürgern deutlich gewachsen". Das Interesse an der Thematik Rezession war bereits Anfang des Jahres in den USA groß und ging nach der massiven Verteilung von Steuergutscheinen vorübergehend zurück. Und: Barack Obama hat Deutschland relativ mehr elektrisiert als Amerika. Die zunehmende Angleichung der US-Internetzugriffe auf die beiden Kandidaten lässt vermuten, dass die Wahlentscheidung enger sein könnte, als dies viele Meinungsumfragen glauben machen. Auf den US-Präsidenten kommen gewaltige Aufgaben zu: Zuerst muss er die Auflage eines Konjunkturprogramms prüfen, um die drohende Rezession abzuwenden. Dann muss er dafür sorgen, dass die an den Finanzsektor geleisteten Hilfen dem Steuerzahler nicht endgültig verloren gehen. Die geplanten Reformen der sozialen Sicherungssysteme rücken damit weit in den Hintergrund. "Obwohl die relative Bedeutung der US-Wirtschaft zurückgeht und sich Deutschland deshalb mehr den asiatischen Märkten öffnen muss, bleiben die transatlantischen Beziehungen noch bis weit in das Jahrhundert hinein wichtig", sagte Zimmermann. Im Angesicht der Krise: US Präsidentschaftswahlen in transnationaler Sicht. Von Amelie F. Constant und Klaus F. Zimmermann. In: Wochenbericht des DIW Berlin Nr. 44/2008.